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Brett für die Welt

Versprochen ist versprochen: heute erfahren Sie, welcher Untergrund einem hochwertigen Messer zusteht, schließlich haben Sie ein Recht darauf, zu wissen, dass Schneidunterlagen aus Glas, Marmor oder Granit ihren Profisäbel in Windeseile in die unterste Amateurklasse absteigen lassen. Diese Dinger zerstören schon beim ersten Schnitt den mühsam erschliffenen Schneidgrad, indem sie ihn einfach platt machen.

Benutzen sollte man also – im Interesse der Messer – Holz oder Kunststoff.

Doch bevor ich nun ein glühendes Plädoyer für das Holzbrett halte, möchte ich Ihnen was beichten: ich war im Kino.

Es gab einen Film von Robert Kenner mit dem Titel Food Inc.

Seine Dokumentation gewährt so tiefe Einblicke in die industrielle Lebensmittel-Produktion amerikanischer Konzerne, dass meine Empfindungen zwischen Desillusionierung, Wut und Ekel pendelten.

Auf jeden Fall ging ich mit der Erkenntnis wieder raus: Man kann es wissen, wenn man will. Nur leider, so lange wie diese „food inc.s“ uns allabendlich im Fernsehen ihre Schokoriegel, Tütensuppen, Instantsoßen und 1-2-3-fertig-Gerichte-heile-einfache-gesunde Welt anpreisen, brauchen wir nicht darauf zu hoffen, dass uns dieses Medium andere Informationen kredenzt.

Gehen Sie also bitte ins Kino, damit sich was ändert!

Und was hat das mit den Schneidbrettern zu tun?

Im vorletzten Jahr begann das Stöhnen der Olivenholz-Lieferanten:

„Die Qualität der tunesischen Ware wird immer schlechter“, „Albanien ist unzuverlässig, die haben manchmal nur drei Stunden Strom am Tag“. Und mir wurde klar, dass die extrem gestiegene Nachfrage nach den Brettern mit der schönen Maserung dazu führt, dass die Armen unter den Mittelmeer-Anrainern gnadenlos ihre Ölbäume massakrieren – für ein wenig schnelles Geld.

Seitdem gibt es diese Produkte bei uns nicht mehr, und ich füge jedem Schneidbrett-Vortrag hinzu: Widersteht Olivenholz, auch wenn es noch so dekorativ aussieht.

Dennoch, Holz muss sein. Kunststoffbretter sind allenfalls dann hygienisch, wenn man sie im Geschirrspüler reinigt und Kunststoffe, die das aushalten, sind nicht billig. Dennoch gelangen bei jedem Schneiden kleine Schnipsel in die Nahrung. Das ist vielleicht nicht schlimm, ein Holzschnipsel ist mir auch deutlich lieber, zumal im Holz enthaltene Säuren und Harze Keime auf natürliche Art verscheuchen.

Und wenn man dann die Wahl hat, nehme man heimische Hölzer, aber bitte keine weichen wie Fichte oder Kiefer. Diese Bretter fasern zu schnell. Auch richtig harte Hölzer wie Eiche sind nicht empfehlenswert – aus der Sicht des Messers.

Optimal sind Härte- und Säuregrad beim Buchenholz. Und wenn das dann auch noch ordentlich verarbeitet worden ist, also gegen den Wuchs verleimt – und bitte nicht mit dem billigsten Kleister, den der Weltmarkt hergibt, kommt Zufriedenheit auf – bei der Möhre, dem Messer und dem Gewissen.
P.S.: Nochmal Film, ein Zitat, dass mir nicht aus dem Kopf geht, seit ich Forrest Gump gesehen habe:

„Dumm ist der, der dummes tut.“

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.