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Coledampf´s Küchenkolumne – Pfannen

Als ich im dritten Quartal des letzten Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1975, zum ersten mal das T-förmig zusammengenagelte Rundhölzchen in die Finger bekam, um damit Teig auf einer heißen Platte in kreisender Bewegung gleichmäßig dünn zu verteilen, ahnte ich nichts von den riesigen Problemen an deutschen Herden.

Das mag daran gelegen haben, dass ich in meiner Familie damit nicht in Berührung kam, denn weder meine Mutter noch meine Großmutter brachte PTFE zum Einsatz, um mir eine ahnungslose Ostseescholle oder ein Kotelett von Onkel Johanns Sattelschweinen lecker zu braten.

PTFE, ein Material, das Roy Plunkett 1938 eher zufällig entdeckte, für das die Firma DuPont 1941 ein Patent eintragen ließ und  welches der französische Chemiker Marc Grégoire benutzte, um Angelschnur zu ummanteln – der leichteren Entwirrung wegen. Erst seine Ehefrau Colette hatte die Idee, Pfannen damit zu beschichten. Das Ergebnis kam unter dem Namen „Teflon“ auf den Markt – die erste Krisen-Zutat.

Von all dem ahnte ich wie gesagt nichts in meiner Vier-Quadratmeter-Bude an der Timmendorfer Strandpromenade. Ich backte Crêpes suzette, rief lecker, lecker, lecker, wenn ich Grand Marnier auf die Dinger kippte und erklärte den Kindern: „Ein Crêpe mit Apfelmus gibt Kraft und Energie – in nur zwei Minuten vom Mund direkt in den Oberarm.“

Ich ahnte auch nichts davon, dass ein Pflanzenfett mit der Aussage beworben wurde „Biskin schließt alle Poren und hält den Saft zurück“ –  die zweite Krisen-Zutat.

Wahrscheinlich wäre mir die Korrelation der beiden Krisenfaktoren nie klar geworden, hätte nicht die Politik der Regierung Kohl in Kombination mit Mauerfall und Aufpumpen der IT-Blase in mir den Wunsch erweckt, Bratpfannenverkäufer zu werden.

Und so stehe ich heute noch da und erzähle Menschen, die schon mindestens 8 beschichtete Pfannen in die Tonne getreten haben, von dem Wunder der unfallfreien Wendung eine Crêpe, die einfach nur auf einer Eisenplatte gebacken worden war, erkläre die grandiose Eigenschaft des Eisens, Fett aufnehmen zu können, welches beim Erhitzen der Pfanne einen Film bildet, der wie eine Beschichtung wirkt.

Natürlich verheimliche ich nicht, wie man eine Eisenpfanne wieder „repariert“, wenn man mal was falsch gemacht hat (z.B., wenn, was leicht mal passieren kann, die Ausstrahlung von Desperate Housewives mit der Anfertigung eines Omelettes zusammenfällt). Denn auch ein blutiger Laie versteht sofort, dass auf einer Crêpes-Platte geschmolzener Zucker, vermischt mit getrocknetem Apfelmus und reduziertem Mandarinenlikör eine Klebkraft erzeugen, die die Produktentwickler bei Patex verzweifeln lässt.

„Ausbrennen“ heißt der Geheimtipp. Einfach nur Salz in die Pfanne, den Boden bedeckt, ohne Flüssigkeit erhitzen, und schon zieht das Mineral die Verunreinigungen aus dem Eisen heraus – die Pfanne ist wieder wie neu.

Ich muss das schon deshalb verraten, weil sonst der Dialog

Bratpfannenverkäufer: „kennen Sie einen Notar?“

Kunde: „Ja, warum?“

Bratpfannenverkäufer: „Weil Sie besser den Erben der Pfanne testamentarisch festlegen sollten, damit es später keinen Streit gibt“

Kunde: „Ach was!“

gar nicht zustande kommen würde.

Und dieser juristische Hinweis muss natürlich sein – angesichts einer Investition von 6 (in Worten sechs) Euro für eine 16er Omelettpfanne.

Meistens ist meine Glaubwürdigkeit als (ungelernter, aber das lasse ich mir nicht anmerken) Bratpfannenverkäufer an diesem Punkt der Beratung leicht angeschlagen. Für mich kein Problem, ich habe kompetente Rückendeckung. Wolfram Siebeck schrieb vor Jahren mal in der Zeit sinngemäß: „Seit man den Menschen beigebracht hat, ein Steak muss in siedendes Fett, damit sich die Poren sich schließen, braten die Leute bei Temperaturen, dass man sich wundert, warum sie nicht gleich einen Flammenwerfer nehmen.“

Zum Glück hat Siebeck aus dieser Erkenntnis im letzten Jahr sein „drittes Gebot“ gemacht: „Nicht zu heiß!“

Diesen Text habe ich mir natürlich zum Vorzeigen kopiert, so dass ich mit einem wörtlichen Zitat nicht nur eine Pfannenberatung, sondern auch diese Geschichte abschließen kann: „Die bratende Menschheit hängt dem Irrglauben an, in der Pfanne müsse es zischen und spritzen, wenn man Bratgut hineinlegt. In uns ist eine atavistische Vorliebe fürs Grobe, ein primitiver Instinkt aus der Steinzeit.“

P.S.: Willst Du ganze Geschichte, guckst Du http://www.zeit.de/2008/41/Siebeck-Herbst-3-41

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.