Tapas mit Ausblick

Melia Berlin kulinarisch auf Erfolgskurs. Es gibt Hotels mit und solche ohne Restaurants. Wenn sich ein Hotel ein oder gar mehrere Restaurants leistet, dann wiederum gibt es mindestens drei Kategorien: solche mit einer noblen, meist allerdings quersubventionierten Sterneküche, solche mit einer banalen Allerweltsküche und solche mit einer, nennen wir sie mal regionalen Konzeptküche. Das MELIÃ BERLIN setzt in dieser Hinsicht Maßstäbe.

Rückblick. Als im Oktober 2006 Spaniens führende Hotelkette Sol Meliá direkt an der Friedrichstraße ihr erstes Haus in Berlin eröffnete, sprach Sebastian Escarrer Jaume, Vizepräsident von Sol Melia, auch über dessen kulinarisches Konzept. „Es soll Trends Rechnung tragen“, erklärte der Manager, „etwa der Tatsache, dass viele unserer Gäste einen gesunden Lebensstil mit gesunder Ernährung bevorzugen. Dem wollen wir mit spanischer Gastfreundschaft und spanischer Küche Rechnung tragen.“

Der Absichtserklärung folgte deren Umsetzung. Das Panoramarestaurant „Café Madrid“ in der ersten Etage, vor allem aber auch die Tapas Bar „meliá tapas“ entwickeln sich seit der Hoteleröffnung zu ersten Adressen in einer kulinarisch nicht eben armen Gegend. Sicher, der Aufschwung, den die spanische Küche in den letzten Jahren in Berlin erlebte, beförderte diesen Weg, aber den Erfolg der MELIÃ-Restaurants nur diesem Trend zuzuschreiben, trifft den Kern der Sache nicht.

„Erleben Sie spanische Leidenschaft“, mit diesem Motto wirbt das MELIÃ BERLIN für seine kulinarischen Offerten. Obwohl zwei Deutsche, einer aus Niedersachsen, der andere Berliner, hinter den Kulissen für die Organisation dieses Erlebnisses zuständig sind, scheinen beide genügend südländische Begeisterung für diese Sache aufzubringen.

Frank Senger, 37, gelernter Hotelfachmann aus Hannover, ist der verantwortliche Manager; Marcel Scholtun trägt als MELIÃ-Küchenchef die Bürde der Umsetzung.

Zum Beispiel: Tapas

Noch vor, sagen wir mal 25 Jahren, kannten die meisten Berliner diese spanische Spezialität bestenfalls vom Hörensagen. Inzwischen sind die kleinen Gaumenfreuden auch hierzulande in aller Munde. „Aber sie sind noch mehr“, sagt Senger „sie sind auch Ausdruck der gesunden Mittelmeerküche und der spanischen Lebensart.“ Das heißt „Manana – genieße den Augenblick“. Dass dieser Augenblick des Genusses ein besonderer Moment wird, dafür stehen Marcel Scholtun und seine Mitarbeiter. Der 35jährige Küchenchef absolvierte nach seiner Kochlehre Wanderjahre in England, der Schweiz, Australien und Neuseeland, also eher in tapasfernen Ländern. Als er Mitte 2006 die Stelle im MELIÃ BERLIN übernahm, begann er zu lernen: etwa, was andalusische von katalanischen Tapas unterscheidet, welche regionalen spanischen Produkte für deren Zubereitung unerlässlich sind, was die klassischen Tapas mit ihren kräftigen Aromen von denen der „nueva cocina“ , der neuen Küche Spaniens, unterscheidet. Scholtun und seine Leute hospitierten in Tapas-Bars von Sevilla bis Barcelona und von Madrid bis Salamanca. Das Ergebnis ist eine Tapaskarte, die selbst kritische spanische Gäste in höchsten Tönen loben. Da werden klassische „Tapas frías“ serviert: eingelegte Sardellen etwa, Käse in Olivenöl, Datteln im Speckmantel, Chorizo, Serrano und natürlich auch der berühmte Jamón ibérico de bellota.

Dann gibt es die „pintxos“, baskische Tapas, die an französische Kanapees erinnern. Scholtuns Küchenbrigade bietet Käse und Nüsse, Surimi – eine Fischformmasse – und Meeräschenkaviar oder Spargel und Sardellen an. Die Bestellung für den ausführlichen Genuss lautet „plato mixto“, von allem etwas.

Kulinarisch am spannendsten ist allerdings die Tapas (R)Evolution des MELIÃ-Teams. Dahinter verbergen sich zum Beispiel Eintöpfe von Klippfisch und Muscheln sowie von Kicherebsen und Blutwurst oder karamellisierter Schellfisch mit pikantem Rotkohlsalat.

Das begeistert und – um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen – weil die Tapas im MELIÃ an der Friedrichstraße mehr sind als die Ansammlung von essbaren Kleinigkeiten, ist „meliá tapas“ so erfolgreich.

Also dann, manana.

MELIÃ BERLIN

Friedrichstraße 103
10117 Berlin-Mitte
Tel. 030 – 20 60 79 00
www.meliaberlin.com

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.