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Gletscherkönig

Nichts als Käse im Kopf – eine Geschäftsidee Made in Austria

Was ist ein Gletscherkönig? Man stelle sich vor, wie Hugo Egon Balders Gäste genial daneben tippen. Eiger-Nordwand-Bezwinger, Trickskiläufer, Tiefkühlschrank, alles weit gefehlt. Ich sag´s euch, spricht Herr Balder zu seiner Comedy-Arena, es handelt sich um einen österreichischen Bergkäse. „So schnell könnte man mit unserem Namen 500 Euro gewinnen“, grinst Michael van de Sand. Sein Geschäftspartner Hartmut Kramer, der ruhige,nickt und lächelt.

Verabredung im Brandauer, einem urgemütlichen Kaffeehaus in einem S-Bahnbogen am Monbijoupark. Gabriele Svehla und Esther Stammberger bieten Schmankerlküche aus Bayern und Österreich, hausgemachte Kuchen und guten Kaffee.

Michael van de Sand und Hartmut Kramer kommen vor allen Dingen wegen des Kaffees und natürlich, weil die Damen ihre Kunden sind.

Van de Sand und Kramer handeln mit Käse und zwar mit einer einzigen Sorte, eben dem Gletscherkönig. „Wir haben die Marke kreiert“, sagt van de Sand, 59, gelernter Kaufmann aus Westfalen. „Die Liebe zum Käse hat uns zusammengeführt“, ergänzt Kramer. Der 52-jährige ist gebürtiger Thüringer und war, bevor er den Käsehandel zu seinem Beruf machte, im öffentlichen Dienst beschäftigt.

Es begann vor über zwei Jahren mit einer Reise in das westlichste österreichische Bundesland, das alemannisch geprägte Vorarlberg. Dort entdeckten die beiden nicht nur die Schönheiten der Natur, sondern auch die Güte vieler regionaler Produkte – etwa des Lustenauer Senfs oder des Subirers, eines Birnenbrandes aus einer alten Vorarlberger Obstsorte. Als van de Sand und Kramer dann zum ersten Mal ein Stück Bregenzerwälder Bergkäse probiert hatten, wurde aus dem Genussurlaub eine Geschäftsreise.

Der Idee, diesen Käse nach Berlin zu holen, folgte die Kooperation mit einer der besten Sennereien des Landes. Die Marke Gletscherkönig Bergkäse wurde geboren, als Warenzeichen eingetragen, und im Jahr 2007 kamen die ersten der 30 Kilogramm schweren Käselaibe in Berlin an.

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Dabei handelt es sich um eine Spezialität, die heute nur noch in wenigen Sennereien Vorarlbergs produziert wird – aus Rohmilch von Tieren, die auf den Almen stehen und sich ausschließlich von den Gräsern und Kräutern dort ernähren, ohne jegliche Silage-Fütterung also. Die am Abend gemolkene Milch wird über Nacht in Holzschüsseln gelagert, am Morgen, nachdem der Rahm abgeschöpft ist, mit frischer, am Morgen gemolkener Milch gemischt und weiter zu Käse verarbeitet.

100 Kilogramm Milch ergeben rund 8 Kilogramm gereiften Käse mit geschmeidiger, elastischer Konsistenz und erbsengroßen Löchern.

Die Mindestreifezeit für den Begrenzerwälder Bergkäse beträgt drei Monate. „Wir bieten einen g´schmackig-milden, sechs Monate gereiften Gletscherkönig-Bergkäse und einen würzig-kräftigen Käse an, der zwölf Monate im Reifekeller war und übrigens laktosefrei ist“, erklärt Michael van de Sand.

Von Anfang an setzten die beiden Händler auf das Marktgeschäft. Vier festangestellte Mitarbeiter und eine Reihe sogenannter Wiederverkäufer bieten den Gletscherkönig-Bergkäse und einige andere Delikatessen aus Vorarlberg auf Wochenmärkten in Charlottenburg, Kreuzberg, Lichterfelde, Neukölln, Stelitz und Wilmersdorf an. Aber auch Bistros und Restaurants so kaufen inzwischen bei van de Sand und Kramer. Schritt für Schritt avancierte der Gletscherkönig zur unternehmerischen Erfolgsgeschichte.

Das machte Mut, und die beiden cleveren Händler begannen, sich auch den Markt in van de Sands Heimat Nordrhein-Westfalen zu erschließen.

Den I-Punkt jedoch planen sie für das kommende Jahr – eine mobile Schaukäserei. Den Premierentermin haben Michael van de Sand und Hartmut Kramer fest im Blick: September 2010 in der Marheinekemarkthalle. „Das ist vor allem deshalb ein guter Ort, weil Kreuzberg zu den bevorzugten Käse-Bezirken in Berlin gehört“, erläutert van de Sand.

„Es gibt Cheese-Areas und No-Cheese-Areas in der Stadt“, so van de Sand. Sie haben also noch viel Aufklärungsarbeit vor sich, denn Käse – allemal guter – ist ein Lebensmittel, das durchaus noch mehr Aufmerksamkeit verdient.

van de Sand & Kramer

Lepsiusstraße 20
12163 Berlin
Tel. 030 – 79 78 99 04

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