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Qualität hat einen Namen: Die Michalski-Familie

Als ich den Titel dieses Berichtes vorlegte, griff die Herausgeberin zum Rotstift, ersetzte „Der“ durch „Die“ und „Clan“ durch „Familie“ und begründet es mit Dallas und Denver. Sicher, seit die amerikanischen Kultserien in den 1980ern dem deutschen Fernsehen Traumquoten bescherten, hat das Wort „Clan“ einen ziemlichen Beigeschmack. Es steht unerschütterlich für hinterhältig, intrigant, verschlagen und meint doch eigentlich nur eine weinverzweigte Sippe. Sie sind verbunden durch verwandtschaftliche Beziehungen und gemeinsame Interessen. Was ist daran so negativ? Aber gut, die Chefin entscheidet, beim Garcon ebenso wie bei Michalski. Damit wären wir endlich beim Thema.

Michalski, das ist also eine Berliner Familie, die es in den vergangenen Jahrzehnten zu etwas gebracht. Und zwar hat sie ein kerngesundes Unternehmen aufgebaut. Wer Michalski sagt, meint Fleisch, gutes Fleisch. Wer bei Michalski kauft, weiß, was er bekommt. Erstklassige Ware. Morgens um sechs im nördlichen Charlottenburg. Der Riedemannweg ist in Wirklichkeit eine schmale Straße zwischen Friedrich-Olbrich- und Saatwinkler Damm. Transporter rangieren, Beifahrer dirigieren, wer zu dieser Zeit hierher kommt, den erwartet business as usual. Hausnummer 61-63.

Der Michalski-Fleischgroßhandel – Büros, Kühlhallen, Zerlege- und Verpackungsstationen und ein Abholmarkt für Otto Normalverbraucher, der hier frisches Fleisch, Wurst, Schinken und andere Lebensmittel für den täglichen Familienbedarf kaufen kann. Ansonsten geht es bei Michalski um größere Beträge, um Hotels, Kantinen, Krankenhäuser, Restaurants. Fleisch, Fleisch, Fleisch und das tonnenweise. Der Bedarf bestimmt das Geschäft. Stolze 62 Kilogramm Fleisch verzehrt der Deutsche – statistisch gesehen – pro Kopf und Jahr. Michalski sorgt mit dafür, dass das so bleibt.

Ein Jahr nach dem Mauerbau fing alles an. Der junge Fleischermeister Lothar Michalski und seine Frau Ruth übernahmen ein Fleischereigeschäft in Charlottenburg, Leonhardtstraße 1. Eine Filiale in Schöneberg folgte. Die Läden liefen, Michalski wusste, was seine Kunden wünschen. Dann der frühe Tod des Meisters, er starb, 42-jährig im Oktober 1978. Sohn Uwe, gerade mal 19 und Fleischergeselle, musste ran. Mutter Ruth unterstützte ihn, wo sie konnte. Beider Vision: statt Ladengeschäft zum Großhandel. Der Grund lag auf der Hand.

Das eingemauerte Westberlin erlebte die goldenen 70er. Neue Hotels wurden gebaut, Restaurants eröffneten wie vom Fließband, Kantinen wurden eingerichtet – und alle wollten Fleisch. Ein Bedarf, den keiner wirklich befriedigen konnte – das war Michalskis Marktnische. Kurz nach dem Tod des Vaters startete er deshalb den Großhandel. Zehn Jahre später platzte das Unternehmen bereits aus allen Nähten, der Familienrat entschied, umzuziehen – neuer Standort Riedemannweg.Michalski (4)

Und es ging weiter aufwärts. 2003, zum 25-jährigen Firmenjubiläum, leistete sich Uwe Michalski eine ganzseitige Tagesspiegel-Anzeige. Er formulierte den Stolz aufs Erreichte und ein Plädoyer für den Mittelstand. „Allein in den letzten fünf Jahren wurden in unseren Fleischabholmärkten mehr als eine Millionen Menschen bedient. Wir haben im Jahr 2002 ein EU-gerechtes Kühlhaus gebaut, das über 500 000 Euro gekostet hat und in diesem Jahr einen weiteren Abholmarkt in der Leydenallee eröffnet…“. Weil das alles nicht ohne Hindernisse abging, machte Michalski auch die öffentlich: „Der Mittelstand darf nicht durch Gesetze, Verordnungen, Erlasse, Gebühren und steigende Kosten jedweder Art drangsaliert werden.“

Erfolge und Sorgen eines mittelständischen Unternehmers vor sechs Jahren, die irgendwie ziemlich aktuell klingen. Michalski ist ein Dienstleister. Obwohl der Wettbewerb heute in seiner Branche mindestens doppelt so hart ist wie in seinen unternehmerischen Anfangsjahren, der 50-jährige Fleischermeister sieht auch in Zeiten pessimistischer Prognosen seine Chance.

Es ist inzwischen halb sieben. Die Männer, die Fleisch verpacken, auf Kisten Restaurantnamen schreiben, Lieferscheine ausfüllen – Kommissionieren heißt das im Branchenjargon – sind schon Stunden auf den Beinen. Also erstmal Kaffee. In ein paar Minuten werden sie dann im dicksten Berufsverkehr stecken, auf dem Weg ins KaDeWe, InterContinental, zu Lutter & Wegner oder zu einem anderen Restaurant.

Rind, Kalb, Schwein, Lamm, Geflügel und Wild, aber auch Exoten wie Strauß, Känguru und Krokodil. Dazu Wurst, Schinken, Pasteten, und, und, und – Michalskis Sortimentsliste umfasst 23 Seiten. „Nehmen Sie zum Beispiel Rindfleisch“, erklärt Werner Möbis, gelernter Koch und Fleischer und bei Michalski für die gehobene Gastronomie zuständig, „da gibt es Ware aus Deutschland, Argentinien, Brasilien, Frankreich, Uruguay und natürlich unser Spitzenprodukt „Ireland’s Finest“, irisches Edelfleisch von Donald Russell, das fast ausschließlich von Sternerestaurants gekauft wird.“

Wir verstehen – Fleisch ist nicht gleich Fleisch, aber die Qualität, das ist bei Michalski Gesetz, muss in jedem Preissegment stimmen. Ralf Michalski, Bruder des Geschäftsführers, nimmt den Telefonhörer, ein paar Sekunden, dann sagt er: „Kalbsmaske, o.k., haben wir!“ Er legt auf und lächelt: „Zufriedene Kunden sind unser wichtigstes Kapital.“ Das gilt auch für den großen Abholmarkt, der pünktlich um 8 öffnet. Frühstück, Mittagessen und ein großes Fleisch- und Wurstsortiment wird angeboten. Und eben auch für die Familie von nebenan.Michalski (2)

Dennis Michalski, 24, Sohn des Chefs, begleitet uns. Er ist der einzige der männlichen Michalskis, der beruflich aus der Art schlug – er hat Industrieelektroniker gelernt – ist dann aber dennoch in der Firma gelandet. „Die Tradition verpflichtet schon irgendwie“, zuckt er mit den Schultern. Inzwischen kommen junge Damen in Air-Berlin-Uniformen zum Frühstück. Direkt neben Michalskis Fleischgroßhandel hat die Airline ihr Trainingszentrum. Auch die Flugbegleiter sind Stammkunden, wie so viele, die Michalskis Qualitätsansprüche überzeugt haben.

Michalski Fleisch- und Wursthandel GmbH

Riedemannweg 61
13627 Berlin
Tel.: 030 / 3446007
www.michalski-shop.de