Der Nordstern

Klein, fein und ziemlich finnisch war die Feier im Brandenburger Hof. Daniela Sauter, Inhaberin der 5-Sterne-Herberge seit deren Eröffnung 2001, dankte ihrem Küchenchef Sauli Kemppeinen mit Lobesspruch und Wangenkuss für den Michelin-Stern, den der Finne erstmal für ein Jahr ins Haus an der Eislebener Straße geholt hat.
Eigentlich hätte irgendwer auch der Hotelchefin und ihrem Direktor Markus Otto Graf danken müssen. Ihnen gelang es immerhin, nach Wolfgang Nagler und Bobby Bräuer zum dritten Mal in Folge einen Küchenchef zu finden, dem es gelang, in den Kocholymp aufgenommen zu werden.

Sauli Kemppainen ist ein kräftiger Mann, dessen Fähigkeit, Kritik wegzustecken, offenbar ebenso robust ist wie seine körperliche Konstitution, denn leicht machte es die Berliner Gastrokritik dem Finnen bisher nicht.
Als er im September 2008 seinen Job im Brandenburger Hof antrat, war er die Küchenhilfe aus Helsinki, später avancierte er gar zum Hungerkoch.

„Finnland steht nun wirklich nicht für eine neue, gnadenlos gute Kreativküche unserer Zeit, eher für Rentierbraten, der mit viel Wodka herunter gespült wird.“, schrieb die Morgenpost im Oktober 2009.

Möglicherweise mag diese Einschätzung für Karigasniemi oder Kilpisjärvi im kalten Norden Finnlands zutreffen, aber für Helsinki? Hans Valinäki und Matti Wikberg beispiesweise bieten im Chez Dominique eine kreative skandinavische Küche auf Höchstniveau und wurden deshalb zu Recht mit zwei Michelin-Sternen bedacht. Markus Aremo kocht im Carma einen respektablen mediterran-nordischen und Pekka Terävä im Olo einen ebensolchen nordisch-mediterranen Mix. Dann gibt es da noch das Demo, das Havis und das Postres – und insgesamt fünf Michelin-Sterne – lediglich einer weniger als etwa Köln.
In Helsinki hat Kemppainen sein Handwerk gelernt, danach ging er auf Wanderschaft. Die Stationen Bergisch Gladbach (Joachim Wissler), Berlin (Wolfgang Müller) und Berkshire (Heston Blumenthal) waren sicher nicht die schlechtesten.

Zurück in Helsinki, wurde er Küchenchef im La Cocina, später im Restaurant Grotesk im Zentrum der Stadt, wo ihn Daniela Sauter und Markus Otto Graf entdeckten und nach einigen Gesprächen nach Berlin holten – gemeinsam übrigens mit seinem Sous Chef Matti Jämsen. Wenn schon finnisch, dann richtig.

Im Restaurant Quadriga des Brandenburger Hofes kochen Kemppainen und seine Mannschaft Menüs, die einen Aha-Effekt hinterlassen, jedenfalls bei uns. Vor allem sind es die Aromen-Kombinationen die überzeugen: Rentier, Himbeermark und Estragon beispielsweise oder Lachs und Kapern.

Dass die Speisekarte davon nur wenig preisgibt, ließe sich sicher schnell ändern, zumal der Service dann auch keine Mühe hätte, die Kreationen zu erklären. Hier ist weniger wirklich nicht mehr.
Ein Stern hat viele Väter (und Mütter), sagt man. Im Restaurant Quadriga gehört Vedad Hadziabdic auf jeden Fall dazu. Der erst kürzlich mit dem Titel Berliner Maitre 2009 ausgezeichnete Service-Chef kam im Sommer 2008 aus dem Restaurant Aqua im Ritz Carlton Wolfsburg in den Brandenburger Hof. Ebenso wie Kemppainen ist Hadziabdic ein Könner seines Fachs. Das muss er auch sein. In seiner Schatzkammer deutscher Weine lagern immerhin mehr als 950 Gewächse, darunter sage und schreibe 450 Rieslinge.
Gast , was willst Du mehr. Hier ist ein Ort, an dem sich verfeinerter Geschmack darstellen kann, denn es gibt trotz großer Krise noch genügend Leute, die darauf Wert legen und den Luxus auch bezahlen können.

Restaurant Quadriga
im Hotel Brandenburger Hof
Eislebener Straße 14
10789 Berlin-Charlottenburg
Tel. 030 – 214 05 – 0

www.brandenburger-hof.com

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