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Die Bier-Botschaft Augustiner-Bräu-Premiere in Berlin

Nicht kleckern – klotzen! Es ist wie immer, wenn Josef Laggner ein neues Restaurant eröffnet: Bodygards und Promiauftrieb, dass selbst Münchens Bussi-Bussi-Schickeria neidisch nach Berlin schielt.

Donnerstag, 25. Februar.

Die Ecke Charlottenstraße/ Jägerstraße wird von bayerischen Farben, bayerischer Blasmusik und bayerischem Dialekt beherrscht. Selbst gebürtige Berliner mühen sich redlich und bitten den früheren Sternekoch Rolf Schmidt am Straßenstand um „Weißwürstel“. Schmidt lächelt milde. Der Plural von Wurst heißt im Freistaat nun mal „Würscht“, im Falle des Kultschmankerls also „Weißwürscht“. Alles andere erfüllt jeden echten Bayern mit Grausen.

Zum Glück gibt’s zur Augustiner-Eröffnung am Gendarmenmarkt keine Einlassprüfung, sondern eine Einladungskarte. Rein kommt, wer dazu gehört.

Das urig-bayerische Augustiner-Gasthaus ist Josef Laggners – wir hoffen, wir haben richtig gezählt – 22. Streich. Nicht nur das macht den Österreicher aus Bad Gastein zu einem der erfolgreichsten Gastronomen der Stadt. Vor allem ist es wohl Laggners untrügliches Gespür dafür, welches Konzept wo gelingen könnte.

Im Falle der neuen Gendarmenmarktrestauration formuliert Berlins bester Koch Christian Lohse, der nach einem Glatteisunfall mit eingegipstem Arm zur Augustiner-Eröffnungsparty kam, knapp: „Das läuft!“

Sicher, eine Restauranteröffnung ist kein Restaurantalltag. Aber wenn der im Augustiner am Gendarmenmarkt nur einen Bruchteil des Lobes bringt, das die Einweihungsgäste dem Wirtshaus aussprachen, muss Laggner nicht bange sein. Ohnehin scheint der 43-Jährige solche Gefühlszustände kaum zu kennen. Vor 25 Jahren kam er mit einem Koffer, 1000 Schillingen und einer abgeschlossenen Kellnerlehre aus dem heimatlichen Salzburger Land nach Berlin und heuerte in der Servicebrigade des legendären Fofi’s an. Acht Jahre später machte er sich selbstständig. Seitdem ist Josef Laggner auf der Überholspur. „Kneipentycoon“, „Gastroimperator“, „Gendarmenmarktkaiser“ sind nur einige der Titel, die ihm diverse Gazetten bisher verpassten. Der Zwei-Meter-Mann lächelt: „Ich wollte immer nur ein guter Wirt werden.“

Seine Kollegen sprechen über Laggners unaufhaltsamen Aufstieg mit jener Mischung aus Neid und Hochachtung, die wohl alle erfahren, deren Lebensweg vom Tellerwäscher zum Multimillionär führte.

Per aspera ad astra. Spannend wäre es, mal etwas über Josef Laggners unternehmerische Tätigkeit zu erfahren, darüber, wie er 650 Mitarbeiter führt, Entscheidungen trifft, Partner findet, Projekte stemmt. Etwas über das Verhältnis von Perfektion und Improvisation in seinem Tun oder seinen Umgang mit Kritik, etwa der des Gault Millau.

„Der Berliner Gastro-Mogul Jo Laggner errichtete mit über 20 Betrieben in Deutschland eine Diktatur der kulinarischen Mittelmäßigkeit“, schrieb der Reiseführer für Genießer in seiner Ausgabe für 2010. Schweres Geschütz. Wie ist der Unternehmer mit dieser Breitseite umgegangen? Hat er sie ignoriert oder mit seiner Mannschaft diskutiert? Viele Fragen und sicher eine andere Geschichte…

Zur Augustinereröffnung am Gendarmenmarkt jedenfalls war kulinarisch alles 1A

Blaskapellmeister Herbert Grätschmann, mit elf Herren und einer Dame aus Murnau am Staffelsee angereist, probierte Schmidts Weißwürste und befand sachkundig: „Oiso, es kennts sagn was wollts, a guade Weißwurscht hoams!“ Auch der Ochse vom Spieß hatte Saft und Kraft, der Kartoffelsalat war schlotzig, das Sauerkraut fassfrisch und knusprige Brezn gab’s bis Mitternacht.

Die Karte verspricht bewährt-zünftige Deftigkeiten – ofenfrischen Krustenbraten etwa, abgebräunten Leberkäse, gesottene Ochsenbrust, Blutwurstgröstl, Kalbfleischpflanzerl und natürlich Schweinshaxe vom Grill mit Speckkrautsalat. Nichts für Kalorienzähler, denen bleiben aber Bachforelle Müllerin oder Flammkuchen Vegetarisch.

Das Glück wäre perfekt, wenn sich die Küchenbrigade entschließen könnte, auch die Spezialität des Münchner Schwesterrestaurants anzubieten – die legendär-leckeren gebackenen Kälberfüße.

Darauf eine Maß Augustiner Hell, Dunkel oder Edelstoff. Also pack’mas!

Augustiner am Gendarmenmarkt

Charlottenstraße 55
10117 Berlin-Mitte
Tel. 030-20 45 40 20
www.augustiner-gendarmenmarkt.de

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.