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Lady Leonardo – Die Hoteldirektorin Gabriele Maessen

Neue Hotels in Berlin sind in der Regel auch neu gebaute. Viele schnell hochgezogen, Betonklötze, Glasfassaden, Marmorverkleidungen. Kategorie Kotzbrockenarchitektur. Man hat sich daran gewöhnt, weil das auch andernorts so ist. Solche Hotels haben Zwillinge auf der ganzen Welt.

Doch immer mal wieder gibt es auch Hotelbetreiber, die sich vom Charme alter oder zumindest älterer Häuser faszinieren lassen und ihnen neues Leben geben. Beispielsweise Leonardo Hotels, der europäische Ableger einer 1998 von dem israelischen Geschäftsmann David Fattal gegründeten Hotelkette.

Leonardo Hotels betreibt derzeit in Belgien, Deutschland und der Schweiz mehr als 30 Häuser, darunter in Berlin das Vier-Sterne-Superior Leonardo Royal. Die Business-Herberge befindet sich nahe des Alexanderplatzes in einem ehemaligen Bürogebäude. Äußerlich eher schlicht, klassische 50er-Jahre-Architektur, innen hohe Räume mit eigenwilligen Art-Deco-Elementen, die bei der Sanierung, Gott sei Dank, erhalten blieben.

Über die Historie das Hauses ist nicht viel zu erfahren. Zu DDR-Zeiten residierte hier die Leitung des VEB Kombinat Kratftwerksanlagenbau Berlin, eines – so weist es das Statistische Betriebsregister der DDR von 1990 aus – Zusammenschlusses von 22 volkseigenen Betrieben mit knapp 40 000 Beschäftigten. Nach Wende und Privatisierung war es Sitz der Berliner Dependance der Asea Brown Boveri AG Mannheim. Dann stand es leer.

Gern gibt Gabriele Maeesen Auskunft über die Geschichte des Hauses, noch lieber allerdings spricht sie über dessen Gegenwart. Gabriele Maessen ist die Generaldirektorin des Leonardo Royal Hotels Berlin.

Chice Kleidung in zurückhaltenden Farben, freundlich, aber ohne aufgesetzte Charme-Offensive, bewusste Natürlichkeit. Die gebürtige Wienerin ist eine der wenigen Frauen, die in Berlin ein großes Hotel leiten, obwohl es ein Beruf ist, in dem weibliches Einfühlungsvermögen sicher mehr bewegen kann als männliche Durchsetzungskraft.

„Der Gast steht im Mittelpunkt und nicht im Weg“, sagt Gabriele Maessen lächelnd. Das ist das kurzgefasste Credo der 44-jährigen Hotelmanagerin, die fünf Sprachen spricht und deren bisherige Stationen sie nach dem Studium an der renommierten Hotel- und Tourismusschule in ihrer Heimatstadt und an den Universitäten von Brighton und Cornell quer durch Europa führten: Budapest, Frankfurt, Mainz, Madrid, Paris, Wien, Zürich und seit Januar 2004 Berlin – zuerst im Adlon, dann im Westin Grand.

Sie spricht über Konrad Hilton, der den Standort eines Hotels, die „Location“, wie es im Jargon der Manager heißt, für den entscheidenden Erfolgsfaktor eines Hotels hielt – verweist auf Cäsar Ritz, für den das Ambiente die wichtigste Rolle spielte – um dann den Ritz-Carlton-Gründer Horst Schulze zu zitieren, der dem Service, der intensiven Pflege des Gastes, die größte Bedeutung beimaß.

„Sicher sind sowohl der Standort als auch das Ambiente wichtig, ob sich Gäste wohl fühlen“, erklärt Gabriele Maessen, „entscheidend jedoch ist die Denstleistung. Das heißt, auf den Gast einzugehen, herauszufinden, was ihn freuen könnte.“

Uns beispielsweise interessierte das Baujahr des Gebäudes in der Otto-Braun-Straße, das heute Domizil des Leonardo Royal ist.Wir fragten eine junge Servicemitarbeiterin an der Hotelbar. Zugegeben das muss sie nicht wissen. Aber sie erkundigte sich, und Minuten später bekamen wir die gewünschte Information: „Das Haus wurde 1956 gebaut und steht unter Denkmalschutz.“ Sicher, nur eine Kleinigkeit, aber die Details sind es eben, die eine Allerweltsherberge von einem Wohlfühlhotel unterscheiden.

Gabriele Maeesen versucht,  ihre Freude daran, Gastgeberin zu sein, an ihr Team weiterzugeben. „Meine Mitarbeiter sollen ein Gespür für die Wünsche der Gäste haben, die mehr von einem Hotel wollen als nur ein Nachtlager“, bringt sie ihre wichtigste Forderung auf den Punkt. Lieblose Ausstattung stört sie, mühseliges Einchecken lässt sie unwillig werden, lustloser Service macht sie fuchsteufelswild. Da ist es mit dem Wiener Charme vorbei.

Nur zu verständlich, dass die Direktorin das Gros ihrer Mitarbeiter selbst ausgewählt hat. Bestes Beispiel für ihr gutes Händchen dabei ist die Küchenbrigade. An deren Spitze steht ein 29-jähriger Brandenburger – Chef de cuisine Lars Gaffron, den es nach Stationen auf der Nordseeinsel Föhr, bei Norbert Schu in Hannover, im Hyatt Regency Köln, im Cambridge Beaches auf den Bermudas und im Hotel Vier Jahreszeiten Binz in die deutsche Hauptstadt zog.

Gemeinsam mit seinem Sous-Chef Christian Fritzsch, ebenfalls Brandenbuger, 12 weiteren jungen Köchen, Fantasie, Können und marktfrischen Produkten kreiert Gaffron eine raffinierte, gut ausbalancierte Küche. Gabriele Maessen ist stolz auf das Team und lässt Wiener Schnitzel servieren. Ein bisschen Heimat muss sein. Das soll in Kürze auch für die Kaffeekarte gelten.

Die Direktorin plant, einige Alt-Wiener Kaffeespezialitäten anzubieten. Zum Cappuccino, Espresso oder Latte macchiato kämen dann vielleicht Einspänner, Franziskaner, Fiaker oder Pharisäer. Nicht schlecht, ein wenig mehr Kaffekultur würde Berlin ganz gut tun.

Einmal in ihrem Element zeigt Gabriele Maessen noch den 1000-Quadratmeter-Ballsaal für bis zu 700 Personen und vergisst nicht zu erwähnen, dass es der größte in einem Hotel am Alexanderplatz ist. Chapeau, Frau Direktorin.

Leonardo Royal Hotel Berlin

Otto-Braun-Strasse 90
10249 Berlin-Mitte
Tel. 030 – 755 43 00
www.leonardo-hotels.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.