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Coledampfs 10 Jahre

10 Jahre Coledampf´s am Kollwitzplatz

Gute Küchenwerkzeuge sind seine Welt. Und weil Mitte der 1990er in Berliner Läden daran heftiger Mangel herrschte, gründete der Kommunikationswissenschaftler Andreas Langholz 1995 mit 24 Freunden, die zu Kommandantisten wurden, die Coledampf’s CulturCentrum KG. Zweck des Unternehmens: der Handel mit praktischen Küchenhelfern.

Dem Geschäft in der Wilmersdorfer Uhlandstraße folgte fünf Jahre später ein zweites am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Auch hier honorieren Herdprofis und Hobbyköche den Gebrauchswert und die Qualität der Messer, Pfannen, Reiben, Siebe und Töpfe ebenso wie die kulinarische Kompetenz der Coledampf’s-Mitarbeiter.

Andreas Langholz, 49, Typ Wikingeranführer, am Telefon: „Es spricht der Kochtopfhändler ihres Vertrauens“. Ein flotter Spruch mit Hintergrund.

Da ist zum Beispiel die junge Familie, Wochenendköche, denen eine sündhaft teure Kupferpfanne ins Auge sticht. Langholz fragt nach, erklärt, zeigt. Am Ende sind die beiden mit einem weit preisgünstigeren Exemplar glücklich. „Die Weisen braten mit Eisen“, ein Reim Marke Coledampf’s.

Oder der ältere Herr, der ein Geschenk für seine Tochter sucht. „Juicy Salif“, schwebt ihm vor, die wahrscheinlich bekannteste Zitronenpresse seit der Entdeckung des Vitamins C. Langholz lächelt milde und zitiert einen Bauhaus-Leitspruch: „Die Form folgt der Funktion“. Der Mann verlässt den Laden schließlich mit einem pressgläsernen Entsaftungsgerät, dessen Lifestylefaktor zwar gegen Null tendiert, dessen Gebrauchswert dafür aber das Alessi-Spinnenbein-Produkt um Längen übertrifft.

Küchenwerkzeuge, die lediglich ein sichtbares Zeichen gehobenen Lebensstils darstellen, sind für Andreas Langholz ein Graus. „Ein Produkt muss das machen, wofür es gemacht ist, sagte er. „Autorendesign hin, Autorendesign her.“

Rund 7000 Artikel zählt das Coledampf’s-Sortiment – darunter viele Küchenklassiker: Turk-Pfannen aus dem Sauerland, Windmühlenmesser aus Solingen, Weingläser aus Weißwasser. Plastik, nein danke – ebenso das, was keiner braucht: Capreseheber, Gemüseaushöhler, Spargeltöpfe, Weißwurstlöffel, Zieseliermesser und all die anderen todschicken Dinge, die den hochgerüsteten Küchen hierzulande den letzten Kick geben.

„Der Kunde soll das Gefühl haben, dass es sich bei Coledamp’s Culturcentrum um einen Treffpunkt handelt, an dem man sich anregen lässt, Gedanken austauscht“, erläutert Langholz sein Geschäftsmodell. Natürlich, auch er will was verkaufen.     Aber „andrehen“, „aufschwatzen“, „einreden“ und ähnliche handelsaffine Verben sind bei ihm und seinen Leuten tabu.

Da kommt es schon mal vor, dass einer einen Gratis-Messerschärfkurs bekommt, ohne den Wetzstahl zu kaufen. Oder eine Anleitung, wie Marmorkuchen gemacht wird, ohne dass die notwendigen Geräte gleich den Besitzer wechseln. Oder die Tatsache, dass Kochlehrlinge und Jungköche, wenn sie Werkzeuge für ihre Arbeit kaufen, einen Rabatt erhalten. Coledampf’s ist eben anders.

Wenn es noch eines Beweises für diese Behauptung bedürfte, die zehnte Geburtstagsfeier des Ladens am Kollwitzplatz lieferte ihn. Am 21. Mai lud Langholz zur Jubiläumsparty, Sternekoch Kolja Kleeberg servierte Blutwurst mit Linsen, Zanderwirt Roland Albrecht Spezialitäten vom Grill, es gab Bier und Wein, einen Clown für die Kinder und Jazz für die Eltern.

Das Wichtigste des Festes allerdings war das Ergebnis: 2000 Euro für die Kitas Kitas Flohkiste und Löwenzahn in Prenzlauer Berg, die damit eine Kinder-Küche einrichten werden.

„Anteilnehmen, dabeisein“, noch so ein Langholz-Spruch, mit dem er dann und wann Kunden aufschreckt, die wortlos durch sein Geschäft wandeln. Die flapsige Anmache birgt –  was den Coledampf’s-Chef selbst betrifft – allerdings auch eine tiefe Wahrheit. Andreas Langholz nimmt Anteil, wenn es um die Belange des Kiezes geht, in dem er sein Geschäft betreibt. Und er ist dabei, wenn es etwas zu tun gibt.

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.