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Le Pistou

Pistou – der Name ist gut gewählt. Er lässt sich leicht merken, noch leichter aussprechen und vermittelt, selbst, wenn man nicht weiß, was er bedeutet, französisches Flair.

Das allerdings waren wohl kaum die Gründe, weshalb Claude Massel sein neues Restaurant in der Charlottenburger Seelingstraße so nannte. Es ist wohl eher Massels Heimatverbundenheit, die bei der Namensfindung die Gedanken führte. Pistou steht für die Provence wie Lavendelfelder, Kastanienwälder, Anisschnaps aus Forcalquier oder Ziegenkäse aus Banon. Basilikum und Knoblauch werden mit Olivenöl im Mörser gemischt, zerstampft und gesalzen. Die Würzpaste – le pistou – gehört zur soupe au pistou, einer herzhaften provenzalischen Gemüsesuppe, wie das Wasser zum Pastis. Für Massel ist es damit ein Hauch Heimat in Berlin.

Der Franzose, Jahrgang 1962, stammt aus Villars, einem winzigen Dorf im Departement Vaucluse, rund 80 Kilometer nördlich von Marseille. Seine Eltern, Jean und Albertine Massel, bauen Wein, Obst und Gemüse an. Schwester Sylvie arbeitet als Informatiklehrerin, der jüngere Bruder Jean-Marie als Kriminalkommissar. Sein älterer Bruder Alain betreibt in Villars mit der Auberge du Villarsois einen jener provenzalischen Landgasthöfe, die mit unverfälschter Regionalküche punkten. Für Claude Massel, der nach Kochlehre und Hotelfachschule an die Spree kam und es hier bis zum Küchenchef in der Paris Bar brachte, ein gutes Vorbild.

1993 machte er sich mit seiner damaligen Partnerin in der Charlottenburger Fredericiastraße mit dem Le Provencal und einer ambitionierten Mittelmeerküche selbstständig. Der Kampf gegen die dort vorherrschende Touri-Abfütterung, die Trennung von seiner Partnerin. Nun in Charlottenburg – neue Liebe, neues Glück. Gemeinsam mit Kathrin Jehnich eröffnete Claude Massel Anfang Juni das Le Pistou – lePistou2nach Berliner Maßstäben ein Restaurant, in Wirklichkeit jedoch ein klassisches Bistro. Bis auf eine von Regina Hickl großflächig mit Provence-Motiven bemalte Säule und einigen Bildern der Künstlerin kommt das Le Pistou völlig schmucklos daher. Keine Südfrankreich-Staubfänger, keine Plastik-Palmen, Gott sei Dank. Aber auch keine Tischdecken. Das dürfte einige Restauranttester, falls sie denn den Weg in die Seelingstraße finden, sicher zu abfälligen Bemerkungen veranlassen. Motto: Berlin gehört weiß gedeckt, Punktum!

Auch die Speisenkarte betont den Bistro-Charakter. Fischsuppe mit Rouille, Croutons und Käse; Entenbrust mit Cassissauce, Kartoffelgratin und Saisongemüse; Schwertfischfilet, Pilaw-Reis und Estragonsauce oder Lavendeleis im Teigschälchen sind solide zubereitet und schnörkellos angerichtet. Vernünftige Portionen zu vernünftigen Preisen – genau das, was man in einem Bistro erwartet. Ein besonderer Leckerbissen ist die in Salz und Kräutern gebeizte Gänsekeule mit Bratkartoffeln. Ausgezeichnet versteht sich Massel auch auf diverse Desserts. Tarte aux pommes und Tarte aux abricots et à la lavande beispielsweise – Apfeltarte und Aprikosen-Lavendel-Tarte – sind keine zuckerstrotzenden Matschkuchen, sondern wohlschmeckende Nachspeisen.

Noch eins drauf setzt das Melonensorbet mit Pfirsichwein. Dazu servieren Restaurantleiter Gök Gültekin und sein Team Weine aus dem Süden Frankreichs, deren Qualität einfach Spaß macht. Überhaupt der Service: Gültekin, 33, Berliner mit türkischen Wurzeln, Ausbildung im Opernpalais, Stationen in verschiedenen Berliner Spitzenrestaurants empfiehlt, erklärt und strahlt: „Bonsoir – je vous en prie de rien, il n`y a pas de quoi – merci infiniment de votre visite.“ Ein bisschen Französisch muss schon sein. Bleibt noch die Bouillabaisse. „Frédéric Mistral hat die Poesie der Provence eingefangen, Paul Cézanne ihre Farben und die Bouillabaisse ihren Geschmack“, sagt man. Leider gibt es bei Massel die provenzalische Fischsuppe nur zum Nationalfeiertag oder auf Vorbestellung. Vielleicht lässt sich das noch ändern?

Le Pistou
Seelingstraße 34/36
14059 Berlin-Charlottenburg
Tel. 030 – 32 89 88 72

www.lepistou.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.