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Frauen am Herd – Anna Sgroi

So ist das eben mit Ruf und Wirklichkeit. „Die hat Haare auf den Zähnen“, erklärte ein Hamburger Kollege, nach Anna Sgroi befragt. „Typisch Sizilianerin“, sagte er dann noch, Was auch immer das heißen sollte. Wir jedenfalls fühlten uns gewarnt. Ein geklinkerter Neubau im Hamburger Stadtteil St. Georg. Lange Reihe 40, direkt am Carl-von-Ossietzky-Platz, auf dem am Freitag Biomarkttag ist. Wer im Sgroi eingelassen werden will, muss klingeln. Die zweite Warnung.

Katja Westrup, der gute Geist öffnet, einige Stufen hinauf, der gute Geist bittet uns Platz zu nehmen. Champagner? Wir verneinen. Ein Regal, gefüllt mit 20, 25 Michelin-Ausgaben. Dazu ein 1988er Gault Millau. Wir fragen und blättern: Anna e Sebastiano, Hamburg-Eppendorf. „Ein kleines Restaurant, das die beiden Titelhelden (Anna Sgroi mit einer Hilfe am Herd, Sebastiano Taeggi im Service) im Alleingang machen.  Auf dem Teller geht es fast so raffiniert zu wie bei Gualtiero Marchesi, wo sie hospitiert haben – inspirierte Küche, gute Weine.“ Dem Anfangslob der Kritiker folgte der Aufstieg. Höhepunkt: die erste italienische Köchin in Deutschland, die mit einem Michelin-Stern geehrt wurde – und das als kochende Autodidaktin. Dann das Ende der Partnerschaft. 2002 schließlich setzte Anna Sgroi ihren Namen über das neue Restaurant auf der Wuselmeile in St.Georg. „Die Gegend passt zu mir“, hören wir plötzlich.

Sie steht vor uns: 1,65, dunkle Locken, dunkle Augen, randlose Brille, weiße Leinenjacke. Die Begrüßung ist herzlich, ihr Lachen fröhlich, nichts von Unnahbarkeit. Wozu die Warnung?

„Ab in die Küche“, ruft sie. Dort arbeiten noch zwei Frauen und zwei Männer, der Umgang miteinander suggeriert eine Art Familienbetrieb. Die ersten Teller stehen am pass. Marinierter Thunfisch, Quetschkartoffeln, Oliven, Rucola. Kaninchenravioli, Seezungenröllchen.

Klar, schnörkellos, nicht ein einziges überflüssiges Blättchen, ziemlich simpel fürs Auge. Beim Geschmack setzt sie auf Nachhaltigkeit, indem sie die Produkte hofiert, akkurat gart und subtil würzt. Eine Perfektionistin am Herd. „Meine Küche ist Ausdruck meines Charakters, sagte sie. Das ist auch der erste Satz ihres ersten Buches. Titel: Typisch Anna! Was ist nun typisch Anna? Die Schlichtheit, in der eine Menge Raffinesse steckt? Die überlegte Abstimmung der Aromen? Oder einfach nur die Tatsache, dass ihre Kreationen so verdammt gut schmecken?

Sie serviert Zickleinkeule mit Schalotten und Artischocken. Ein Gedicht, das Gericht.

Chapeau, Anna!

Restaurant Sgroi

Lange Reihe 40
20099 Hamburg
Tel. 040 – 28 00 39 30
www.sgroi.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.