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Castello oder die Kunst Pfeifen zu bauen

Alle zwei Jahre reisen meine Frau und ich nach Italien um Pfeifen zu kaufen. Das Ziel ist Cantu, es liegt zwischen Mailand und dem Comer See. Schon die Anreise mit dem Auto ist aufregend, ein Zwischenstopp mit Übernachtung und dann in die Vormittagssonne gen Süden durch die Alpen, um am frühen Nachmittag die Werkstatt der wohl renommiertesten Pfeifen-manufaktur der Welt – Castello – zu erreichen.

Es begrüßte uns Franco Coppo, der Patron, wir genießen die Ruhe und Beschaulichkeit in seiner ca. 500 qm großen Wirkungsstätte. Fünf seiner Mitarbeiter arbeiten in aller Ruhe mit größter Aufmerksamkeit und Präzision an den kleinen Kunstwerken.

Wir fühlen uns ins Jahr 1947 zurückversetzt, als Carlo Scotti seine Firma gründete. Es hat den Anschein außer ein paar neueren Werkzeugmaschinen hätte sich nichts verändert. Mittlerweile lagern hier über 100 000 Ebauchons, die Bruyereholz-Rohlinge aus denen Pfeifen gefertigt werden, und z. Z. vergehen 15 Jahre ehe sie verarbeitet werden.

Eine Castello-Pfeife wird immer eine filterlose Pfeife sein und bleiben, denn hier sind die Meister der Strömungstechnik am Werke. Der Rauchkanal im Mundstück und im Holm des edlen Rauchgerätes ist in einem Zug gebohrt und poliert. Der feine Wasserdampf beim Rauchen, in dem die Aromen des verglühenden Tabaks liegen, verteilt sich somit gleichmäßig auf den Gaumen und erfreut den Genießer mit höchsten Geschmackerlebnissen.

Schleifen, polieren und beizen und das in wiederkehrenden Vorgängen, immer der Natur des Wurzelholzes folgend, bis zur Perfektion des Endproduktes. Bruyereholz ist Wurzelholz aus der Baumheide Erica arborea, die nur im Mittelmeerraum wächst und sich nicht kultivieren lässt. Castello-Hölzer kommen aus Umbrien, Sardinien und der Toskana.

Diese sind für ihre Härte, Brandwiderstandsfähigkeit, gute Maserung und geringes Gewicht bekannt. Die Mundstücke werden aus eigens angefertigtem Acryl herausgeschliffen und sind besonders Bissfreundlich und leicht zu säubern.
Seit zehn Jahren gehören wir zum Kreis seiner erlesenen Händler, es gibt vier davon in Deutschland. Kaufen können wir nur in Cantu. Franco Coppo, der die Werkstatt seines Schwiegervaters des Gründers Carlo Scotti in zweiter Generation führt, ist darauf Bedacht die Philosophie der Kunstwerke auf seine Händler zu übertragen.

Jede Pfeife Castello oder die Kunst Pfeifen zu bauenwird erst nach dem Aussuchen je nach Größe, Maserung und Lupenreinheit graviert und somit der Preis festgelegt. Ein Verfahren, dass mich zunächst entsetzt, aber nie enttäuscht hat. Wir haben es hier mit Kunst und nicht mit Kommerz zu tun, damit ist es auch ausgeschlossen sich die Pfeifen schicken zu lassen. Wir freuen uns auf das nächste Treffen in Cantu und das hoffentlich noch sehr lange.

Die Rückreise verbinden wir mit einem kulinarischen Besuch im Kuppelrain in Castelbello im Vinschgau. Die Familie Trafoier verwöhnt uns mit einem fantastischen Menü begleitet von feinen Weinen der Region. Wir übernachten dort, genießen die Ruhe und Beschaulichkeit einer der schönsten Regionen Südtirols. Am späten Abend betrachte ich noch einmal die erstandenen Pfeifen und fühle die Harmonie der Genüsse und begebe mich mit tiefer Zufriedenheit zu Bett um am nächsten Tag die Heimreise anzutreten.

Für jeden Pfeifenliebhaber ist das Begehren groß ein solch edles Pfeifenwerk sein eigen zu nennen. Der Einstiegspreis für eine sandgestrahlte oder eine rustizierte Pfeife liegt derzeit bei 229,- €. Ein Vielfaches davon muss man für eine lupenreine Straigt Grain, d. h. mit senkrecht gleichmäßigem Maserungsverlauf am Pfeifenkopf, aufwenden, im Verhältnis zu einem Gemälde oder einer Skulptur ein preislich moderates Vergnügen.

Pfeifen bei:

Tabak und Pulver
Rheinstraße 42
12161 Berlin-Steglitz
Tel.: 030-851 57 32
www.tabakundpulver.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.