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Blomeyers Käsebrett – Lavendelbrikett

Handgemachte Käse sind ein Glücksfall für den Käsefreund, zum Beispiel das Lavendelbrikett. Das ist einer dieser genialen Ziegenkäse vom  Capriolenhof, der Ziegenkäserei im Norden Brandenburgs, direkt an der Havel, neben der Schleuse Regow. Hier, in der Einsamkeit der Uckermark, leben Sabine Denell und ihr Mann Hans Peter Dill seit 1994. Sie, Tierärztin mit hugenottischen Wurzeln und Käsemacherin, er, gebürtiger Schweizer, Theaterwissenschaftler und jetzt Ziegenwirt. Und mit ihnen 150 der seltenen Toggenburger Ziegen. Die Tiere stammen ursprünglich aus Toggenburg im Schweizer Kanton Sankt Gallen. Eine robuste Rasse mit langem, zotteligem Fell, die allerdings mit rund 800 Kilogramm im Jahr weit weniger Milch gibt, als beispielsweise die deutsche Edelziege. Dafür jedoch ist ihre Milch von einer super Qualität – 3,5 Prozent Fett, 3 Prozent Eiweiß und erstklassig im Geschmack.

Den Toggenburgern in Regow geht es gut. Sie weiden das ganze Jahr über auf den umliegenden Wiesen und Heideflächen.  Diese Landschaft ist eine abwechslungsreiche Tafel. Mal wachsen die Stockausschläge der Zitterpappeln, und der Trockenrasen grünt. Mal blühen die Kiefern, mal blüht die Heide. Alles Delikatessen für die Regower Ziegen. Und je nachdem, was da gerade grünt und blüht, verändert sich das Aroma ihrer Milch. Mal ist es kräftig und ziegig, mal ist es süßlich und mild, mal aromatisch und wild.

Natur und Jahreszeit sind das Leben in der Milch und im Käse und sorgen für den Genuss. Drei Phasen des Glücks durchlebt der Käsegourmet bei der Verkostung des Regower Lavendelbriketts. Erstens die knackige Außenhaut, die biomechanisch-haptische Zahnbarriere, die den  Durchbruch in die Phase zwei kinästhetisch erfahrbar macht. Das ist die geschmacksphysiologische Sahnestufe,  die unter der Haut verlaufende würzige Fließkonsistenz und schließlich die Phase drei – der fluffige Frischkäsekern in der Mitte des Briketts: kulinarisch phänomenal.

Aber, meine Freunde, es gibt da noch eine Steigerung. Diese Dreifalt des manufakturellenKäseglücks lässt sich zu einem Urknallerlebnis steigern, wenn man ein weiteres Element des guten Geschmacks auffährt. Ich empfehle zum Lavendelbrikett einen drei Jahre alten Portwein – Kopke Tawny. Die komplexe Fruchtigkeit und Würze dieses im Holzfass gereiften Weins in Kombination mit Käse und Lavendel sprengt die Erfahrung und ist eine Geschmacksexplosion. So etwas solltet Ihr am Abend genießen,  und Ihr solltet es mit jemandem tun, der Euch etwas bedeutet.
Erfreulich ist, dass die experimentierfreudige Sabine Denell immer wieder neue Käse entwickelt. Mit einer Menge Schweizer Sennentricks und viel Handarbeit entsteht hier ein  innovatives Stück neu-brandenburgischer Hugenottenkultur, ein Hauch französischer Lebensart und ein Beispiel für eine gelungene Konversion. Das macht den Capriolenhof zu einer Attraktion  und den Käsefreund glücklich. So gibt es im kleinen Hofladen Zehdenicker Handstrich, Regowtaler, Ehm Welks Liebling und andere Kreationen mit schönen Namen.

Das Käseidyll rund 80 Kilometer nördlich von Berlin ist für Besucher allerdings nicht leicht zu erreichen. Die B 96 nach Norden bis Dannenwalde, rechts nach Blumenow, links nach Bredereiche, die letzten sechs Kilometer unbefestigter Waldweg – so klingt die Beschreibung noch ziemlich unspektakulär. Die Sechs-Kilometer-Anfahrt durch den Regower Urwald allerdings nahm mir mein Mitsubishi ziemlich übel, als ich bei Sabine Denell und Hans Peter Dill vor Jahren ein Praktikum absolvierte. Das Problem liegt darin, dass hier früher russische Panzer durch den Wald walzten, um den Kalten Krieg zu üben. Das Getriebe meines Autos jedenfalls hat auf das Abenteuer gar nicht gut reagiert, besser kommt man mit einem Jeep oder anderen Geländewagen durch.
Problemloser gelangt man mit dem Schiff auf der Havel nach Regow. Da kommt man an die Regower Schleuse und dort dauert es so seine Zeit – lange genug jedenfalls, dass Binnenschiffer und Skipper hier ihren Käseproviant einkaufen können. Einfacher allerdings kann man ihn sich bei mir in Berlin beschaffen.

Blomeyer´s Käse

Pestalozzistr. 54a
10627 Berlin
Tel. 030 23926440
Facebook.com/blomeyers.kaese

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.