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Der fette Donnerstag

Das Eichsfeld,Magazin Garcon Nr.25 eine malerische Hügellandschaft zwischen Harz, Hessischem Bergland und Thüringer Wald, ungefähr genauso groß wie die Insel Rügen, ist schon etwas Besonderes, vor allem kulinarisch. Ein Auf-den-ersten-Blick-Beweis ist die Tatsache, dass es in dieser Region um Duderstadt, Dingelstädt, Worbis und Heiligenstadt wahrscheinlich mehr Metzgereien gibt als in Berlin und Hamburg zusammen. Also nicht die genormten Supermarkttheken mit ihrer Massenware, sondern wirkliche Handwerksbetriebe, von denen im Eichsfeld viele trotz EU-Verordnungswahn auch noch selbst schlachten und die sogenannte Warmfleischverarbeitung praktizieren. Frischer geht es nicht. Die Würste, je nach Stärke als schlanke „Stracke“ oder strammer „Feldgieker“ bezeichnet, reifen danach monatelang in Lehmkammern.

Am Ende ihrer meisterlichen Behandlung sind sie der Stolz jedes Eichsfeldmetzgers und ein Beleg dafür, was geschmacklich jenseits von Konservierungs- und Säuerungsmitteln, Farb- und Aromastoffen möglich ist. Übrigens: Jeder richtige Eichsfelder isst seine Wurst mit Schmand, also frischem Sauerrahm. Brot, Butter, Stracke, Schmand – die Kalorienzähler-Magazin Garcon Nr.25Fraktion wird jetzt entsetzt die Daumen senken. Endgültig die Flucht ergreifen die Diätpäpste mit Sicherheit dann am Fetten Donnerstag. Dabei handelt es sich um den letzten Donnerstag vor Aschermittwoch, mit dem – so die Tradition in dieser katholischen Gegend – die 40-tägige österliche Buß- und Fastenzeit beginnt. Am Fetten Donnerstag herrscht – nomen est omen – Fettlebe im Eichsfeld. Die Metzgereien bieten Eisbein, Grillhaxe, Kesselfleisch und Schlachtesuppe an, die Gasthöfe werben mit Dicker Rippe und Sauren Klebchen. Dabei handelt es sich um das Fleisch von Spitzbeinen, die mit Äpfeln, Zwiebeln, Knoblauch, Mohrrüben, Pfefferkuchen, Rosinen und Gewürzen gekocht und mit Salzkartoffeln serviert werden. So schmeckt das Eichsfeld!

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.