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Ein Interview mit Dr. Matthias Keller

Herr Dr. Keller, wieviel Fisch essen wir Deutschen eigentlich?

Die Zahl ist relativ stabil. Der Verbrauch pro Kopf und Jahr in Deutschland betrug zwischen 2006 und 2011 rund 15,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr. 2012 allerdings sank er auf nur noch 14,6 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Was ist die Ursache dafür?

Ganz klar, den Verbrauchern sind die drastisch gestiegenen Heringspreise im vorigen Jahr kräftig auf den Magen geschlagen. Wir reden hier natürlich nicht von ein, zwei Cent, sondern von einem Plus des Endverbrauchspreises von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Aber, lassen Sie mich das auch noch sagen: Die Deutschen haben 2011 insgesamt über 2,8 Milliarden Euro für Fisch ausgegeben- ohne das, was sie in Restaurants verzehrt haben, – das ist ein Rekordwert!

Gilt das alles auch für Berlin?Dr. Keller Fischinformationszentrum (1)

Ja, ich habe aktuelle Zahlen über den Fischeinkauf in den einzelnen Bundesländern, auch hier ist der Verzehr in Restaurants nicht dabei. Danach liegt Berlin nach Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen und Brandenburg mit 5,1 Kilogrammpro Kopf auf Platz Fünf.

Also, statistisch gesehen, hat jeder Berliner 2011 5,1 Kilogramm fisch und Meeresfrüchte gekauft, und wir gehen natürlich davon aus, dass er sie auch gegessen hat. Schlusslicht ist übrigens mit 3,8 Kilogramm Baden-Württemberg. Wenn wir schon bei den Zahlen sind, lassen Sie uns noch einmal auf den jährlichen Pro Kopf Verbrauch zurück kommen.

Wo stehen wir denn International mit unseren 15,7 Kilogramm im letzten Jahr?

International gesehen rangieren wir mit diesem Wert unter ferner liefen – etwa gleichauf mit Österreich, Polen und den Niederlanden. Die Weltrangliste wird angeführt von Island und Portugal mit einem Pro-Kopf- Verbrauch von rund 90 Kilogramm, es folgen Japan und Norwegen mit 70 sowie Litauen und Spanien mit 60 Kilogramm.

Welche Fischarten liegen denn in der Verbrauchergunst vorn?

Generell haben wir erstmal eine riesige Vielfalt am Markt-880 Fischarten sowie Krebs- und Weichtiere, die natürlich immer nur saisonal verfügbar sind. Die ersten fünf Plätze in der Verbrauchergunst belegen seit Jahren schon Alaska-Seelachs, Hering, Lachs, Thunfisch und Pangasius.

…, wobei die meisten Kunden zum Tiefkühlfisch greifen, am liebsten zu abgepackten Filets. Eigentlich ist das schade, denn damit nutzen wir nur 40 Prozent jedes gefangenen Fisches. Ich glaube aber nicht, dass wir den deutschen Verbrauchern wieder den ganzen Fisch schmackhaft machen können. Lediglich die Profiköche nutzen Fische im Ganzen und – das möchte ich besonders hervorheben – sie machen damit etwas immens Nachhaltiges.

Wie steht es eigentlich um die Fische aus heimischen Gewässern?

Die Forelle belegt in der Käufergunst Platz sechs, der Karpfen Platz zwölf, der Zander Platz siebzehn, aber ich glaube, dass wir Zeiten entgegen sehen, in denen wir über jede regionale Art glücklich sein werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.