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Sarod’s Restaurant

Thailändisch mit Zertifikat

Das Sarod`s in der Friesenstraße gibt es – gefühlt – schon seit Ewigkeiten. Ende der 1980er begannen der Namens- und sein Geldgeber Werner Eiben hier mit thailändischer Küche. Das funktionierte. Sarod und seine Mannschaft kochten die bekannten Klassiker, allerdings ohne die üblichen Geschmacksverstärkungen. Die Stammgäste blieben, als 2009 Heiko Tröger und Sudamrong Wornpian das Restaurant übernahmen, vielleicht auch, weil die beiden klug genug waren, den Namen beizubehalten und nur das Ambiente gründlich umkrempelten. Großformatige Bilder und asiatisch angehauchte Lampen ersetzten den vormaligen Touristentrödel und die Lichtverhinderungsgeräte, der Wohlfühlfaktor erhöhte sich entscheidend. Hinzu kam der nicht zu unterschätzende Fakt, dass Heiko Tröger einst im heimatlichen Unterfranken den Kochberuf erlernte und sich gemeinsam mit Küchenchefin Wanlahpah Kühne, die schon seit 15 Jahren in Berlin lebt, daran machen konnte, die Speisenkarte sanft zu entschlacken und vorsichtig zuMagazin Garcon Nr.25 modernisieren.

Dabei hatte Tröger die Thai-Restaurants an der amerikanischen Westküste im Blick, in denen, nicht nur seiner Meinung nach, die beste Thai-Küche außerhalb Thailands gekocht wird – runder, voller und geschmacksfüllender, weil mit etwas weniger Schärfe zubereitet. Sicher teilen manche Thais diesen Standpunkt nicht, weil für sie die knallharte Schärfe nicht Kriterium, sondern integraler Bestandteil ihrer Küche ist. Die deutschen Gäste im Sarod`s allerdings sind begeistert.

Apropos Schärfe: Man sagt, es gebe nur zwei Jahreszeiten in Thailand – heiß und noch heißer. Das gleiche gilt für die Küche. Scharf und noch schärfer. Wer jemals in einer Garküche irgendwo zwischen Bangkok und Chiang Mai die Suppe Tom Yam Gung, das thailändische Nationalgericht mit Garnelen, Zitronengras, Kaffir-Limonenblättern, Koriander und viel kleingehacktem Chili gegessen hat, wird für die feurige Schärfe beispielsweise einer ungarischen Gulaschsuppe bestenfalls ein mildes Lächeln übrig haben.

Den meisten europäischen Gaumen entgeht durch die Schärfe aber auch die Subtilität und der Nuancenreichtum nicht nur dieser Suppe, sondern der thailändischen Küche überhaupt. „Sie steht aber auch in unserer, leicht entschärften, aber durchaus noch authentischen Variante als Antwort darauf, weshalb sie unter den südostasiatischen Küchen als die raffinierteste und facettenreichste gilt“, so Sudamrong Wornpian, der 31-jährige Gastronom, der seit neun Jahren in Berlin lebt.

Da ist zum Beispiel Plah Kraphong Gaeng Phed, ein ganzer Rotbarsch, kross gebacken, mit rotem Curry, Thaigemüse und Kokosmilch oder Plah Müg Sarod, ein ebenfalls ganzer Tintenfisch, gefüllt mit Hähnchenfleisch und Garnelen, der mit einer Knoblauch-Pfeffer-Sauce serviert wird. Beide Gerichte sind mit geradezu schlafwandlerischer Sicherheit abgeschmeckt. Da gibt es nichts Derbes, Grobes, alles ist von beeindruckender Leichtigkeit. Kein Wunder also, dass dem Sarod`s die Thai-Select-Urkunde verliehen wurde.

Sarod’s Restaurant

Friesenstraße 22
10965 Berlin-Kreuzberg
Tel. 030 – 69 50 73 33
www.sarods.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.