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Restaurant Glass – Voller Durchblick

Unabhängig davon, ob es die etablierten hauptstädtischen Gastrokritiker – wie bisher – links liegenlassen, verbal zerfetzen oder in den Himmel heben, ich wage mal die Behauptung, dass das Glass – wenn es an dieser versteckten Ecke durchhält – seinen Weg machen wird. Auch, wenn ich mit meiner Meinung alleine bleiben sollte – mir gefallen solche Restaurants: schlicht, irgendwie unkonventionell im Ambiente, dennoch mit hohem Wohlfühl-Faktor und einer ungezwungenen Brasserie-Küche, einem Hybriden zwischen gehobenem Bistro- und abgehobenem Sternestil. Und sowas ist das Glass.

Das Restaurant, ein ehemaliges Sportstudio auf der verschlafenen Seite der Uhlandstraße, versteckt sich hinter viel Grün und ist tatsächlich eine riesige Glaskiste. Unbehandeltes Kieferparkett, Wände und Decken mattschwarz, und als Blickfang ein gewaltiger Vorhang aus metallischem Polyester, der ein bisschen wie ein Geisterbahn-Spiegel daherkommt.

In der Hauptstadt gediegener Ausstattungskultur wirkt sowas gleichermaßen ungewohnt wie anziehend oder abstoßend – je nachdem,Grand City Best Western Potsdam,Hotelwie man`s sieht. Die Architekten heißen übrigens Ingrid Moye und Christoph Zeller, kommen aus Mexico-City und sind bekannt für ihre ultra-modernen Ausstattungs-Ideen. Ganz klassisch ist dagegen die Begrüßung. Marc Hanke, ein alter Bekannter aus dem Adlon Esszimmer, hat als Restaurantleiter im Glass angeheuert.

Der 30-Jährige, Mutter Holländerin, Vater Spanier, spricht fünf, sechs Sprachen fließend – und das ist gut so, erstens für die Touristen aus der halben Welt und zweitens für das Team aus der halben Welt. Regie am Herd führt Gal Ben Moshe, gebürtiger Israeli, der 2012 mit dem Ziel nach Berlin kam, hier ein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Davor arbeitete er in Tel Aviv; bei Claude Bosi im Londoner Hibiscus; ebenfalls in London in Gordon Ramseys Restaurant Maze, „some of London`s best“ und in Chicagos bestem Restaurant, dem Alinea bei Grant Achatz, einem Drei-Sterne-Koch, Hero der nordamerikanischen Avantgarde.

Von dort brachte Moshe wohl die Idee der genial-einfachen Inspirationsgerichte mit, die er in Berlin umsetzt, allerdings in weniger aufwändigen Arrangements als dort. Er lässt den Produkten – viele aus ökologischer Herkunft – ihren Wert und formt Gerichte von bemerkenswerter Finesse mit regionalen Bezügen. Teltower Rübchen mit Kapuzinerkresse, Pekannüssen und in Balsamessig marinierten Erdbeeren ist ein Beispiel dafür, Mairübchen, Fenchel, geräucherter Ricotta, Zitrone und Haselnüsse ein anderes.

Das ist durchdachte Kreativität ohne die vielerorts anzutreffende Originalitätsmanie, eine Kreativität, die allerdings eine souveräne Beherrschung von Produkten, Aromen und Strukturen voraussetzt. Bemerkenswert noch drei Dinge: ein veganes Sechs-Gänge Menü, ein wunderbar weicher Wild Carignan aus Israel und die erstklassigen Cocktailos. Es muss also nicht immer Mitte sein.

Restaurant Glass

Uhlandstr. 195
10623 Berlin-Charlottenburg
Tel. 030 – 54 71 08 61

www.glassberlin.de

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.