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Blomeyers Käsebrett – Honhardter Camembert

Früher war Camembert, ganz besonders der Camembert aus der Normandie, ein kulinarischer Lichtblick, die Erfindung einer normannischen Bäuerin, die damit ein weltweites Käseglück auslöste. Das lag auch an der Verpackung, einer industriell produzierten Spanschachtel. Sie gab dem Käse ein Gesicht und machte ihn in Mengen transportfähig. Einen historischen Schub für den Camembert gab es mit der Einrichtung einer Bahnlinie zwischen Caen und Paris. Diese Verkehrsader zwischen Käseherstellern und Hauptstadt war eine der wirtschaftlichen Voraussetzungen für den kulinarischen Erfolg. Schon vor 100 Jahren wurde der Rohmilchkäse aus der Normandie exportiert.

Er galt den Amerikanern nicht nur als Delikatesse, sondern auch als Wundermedizin gegen allerhand Krankheiten. 100 Gramm Rohmilch-Camembert decken immerhin den Tagesbedarf eines Erwachsenen am Vitamin B12. Hinzu kommen die Vitamine B5 – gut für die Haut – und B7, das Schönheitsvitamin schlechthin.

Der Camembert war ein Mal ein Quälkäse

Doch mit dem Beginn der industriellen Massenproduktion schwand der Genuss. Alle, die noch die kulinarischen Zeiten eines Clemens Wilmenrodt erlebt haben, wissen, dass der deutsche Camembert eigentlich ein Quälkäse war. Jung schmeckte er sauer, und wenn er alt war, roch er penetrant nach Ammoniak. Dazwischen gab es ein kleines Zeitfenster, in dem der Käse bedingt genießbar war. Zu den Fähigkeiten der deutschen Hausfrau gehörte es, diesen Moment durch Druck mit dem Finger auf den Käse herauszufinden. Zu hart, zu sauer, zu weich zu stinkig. Das Ziel der industriellen Käsebemühungen war es dieses Zeitfenster zu vergrößern.

Nach Jahrzehnten hat es der deutsche Industriekäse geschafft. Man formt unter dem Namen „Camembert“ eine Masse, die nach nichts schmeckt, wenn der Käse jung ist. Sie schmeckt auch nach nichts, wenn er alt ist. Und selbst, wenn er schon gammelt, riecht er nicht. Das genügte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, um ihn als Standard der deutschen Schulverpflegung zu empfehlen. Die Hausmeister an deutschen Schulen wissen Bescheid. Früher waren die Tonnen voll mit heimlich entsorgten, nach Ammoniak riechenden Schulbroten. Heute sind sie voll mit geruchsneutralen Gummikäsebroten. Darüber sollte man mal nachdenken.

Das also ist die spätindustrielle Käsekultur: aus denaturierter Milch wird ein Schrecken für Schulkinder und Hausmeister.

Die Milch für den Camembert ist echter als echt

Wie gut, dass inzwischen kleine Produzenten auch in Deutschland die Rohmilchkultur pflegen und alte kulinarische Qualitäten neu entdecken. Sie verstehen sich wieder auf die manufakturelle Herstellung von Weichkäse. Zu den Künstlern unter diesen Käsemachern gehören die Frauen und Männer der Milch- und Käsekooperative in den Honhardter Demeterhöfen, einem schwäbischen Familienbetrieb, gelegen zwischen Schwäbisch Hall, Crailsheim und Ellwangen. Hier betreiben sie nachhaltige Landwirtschaft, traditionsbewusst und mit handwerklichem Ethos.

Sie halten Kühe mit echten Hörnern in einer Herde mit echten Stieren, und die Milch ist echter als echt. Der Weichkäse, der aus dieser Demeter-Milch gemacht wird, ist ein Genuss-Wunder. Der „Honhardter Camembert“ ist eine einzigartige, cremezarte und paradiesische Erfahrung und tut gut: von der Zunge über den Magen bis auf`s Herz. Und wenn Ihr, meine Freunde, diese neue deutsche camembertige Medizin einnehmen wollt: Gesundheit, Schönheit und Genuss könnt Ihr über mich beziehen.

Blomeyer´s Käse

Hauptstraße 8
29478 Höhbeck
Tel. 0157 – 71 47 80 79
www.blomeyer.biz

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.