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Fleischlos glücklich?

Unlängst forderten die Grünen einen fleischlosen Tag pro Woche in deutschen Kantinen. Dadurch sollten Tiere und Umwelt geschützt werden. Die rund sieben Millionen Vegetarier in Deutschland hätten sich über diesen Tag sicher gefreut, doch lebt man fleischlos wirklich glücklicher und vor allem gesünder?

Der Verzicht auf Fleisch oder Fisch nimmt in Deutschland stetig zu, nicht zuletzt auf Grund von Dioxin in Eiern und Skandale über verunreinigtes und verdorbenes Fleisch in den Kühlregalen. Die Beweggründe für Vegetarier sind aber zunehmend verschieden. Während die einen einfach aus Mitleid mit den Tieren kein Fleisch essen, wollen die anderen ein echtes Statement setzen. Denn eine einzige Milchkuh produziert täglich bis zu 235 Liter des klimaschädlichen Methangases. Mediziner hingegen sehen eine vegetarische Lebensweise zuweilen als gesundheitsschädlich, denn oft fehlen bei einer fleisch- und fischlosen Ernährung wichtige Nährstoffe wie Calcium und Magnesium.

Keine tierischen Produkte

Während Vegetarier einfach auf Fleischprodukte verzichten, gehen Veganer noch einen Schritt weiter. Sie verzichten vollständig auf tierische Produkte, also auch auf Milch und Eier. Wer nur auf Fleisch verzichtet, so die Meinung vieler Ernährungswissenschaftler, der beugt mit seiner Ernährung Krankheiten wie Diabetes, Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck vor. Zwar können Calcium und Magnesium durch Nahrungsergänzungsmittel ersetzt werden, aber die Probleme beginnen schon beim Einkauf im Supermarkt. Gummibärchen sind strenggenommen ebenso tabu, wie viele andere Süßwaren oder Fertigprodukte. Auch im Restaurant ist die Auswahl an Gerichten für Vegetarier und Veganer spärlich.

Viele Menschen, die auf Fleisch und tierische Produkte verzichten, setzen ihren Lebensstil sehr konsequent um. Beim Grillabend mit Freunden verzichten sie daher auf den Verzehr von gebratenem Gemüse, das auf demselben Grill zubereitet wurde, wie Fleisch und Fisch. Auch der selbstgemachte Kartoffelsalat mit einer Rinderbrühe kann für viele zum Ernährungsproblem werden. Auch in der Partnerschaft können Konflikte auftreten, wenn es um das gemeinsame Essen bei Vegetarier und Fleischesser geht: Besteht er beispielsweise auf sein Rindersteak, sie jedoch auf die fleischlose Ernährung zuhause, sind Reibereien vorprogrammiert. Hier heißt es, die Vorlieben des anderen zu respektieren – sei es für oder gegen die fleischlose Ernährung – und Kompromisse eingehen.

Der Trend zum Tofu

In den Regalen der Supermärkte finden sich zunehmend mehr vegetarische und vegane Produkte. Wer auf Fleisch verzichtet, muss nicht unbedingt auf einen Hamburger verzichten. Die Fleischersatz-Produkte aus Tofu schmecken, richtig zubereitet, wie Rindfleisch oder Geflügel. Auch bei Fertigprodukten finden Vegetarier mittlerweile eine große Auswahl verschiedener Produkte. Die Anzahl der vegetarischen und veganen Restaurants steigt in Deutschland und viele Spitzen- und Sterneköche spezialisieren sich auf die Zubereitung von fleischlosen Gerichten. Bundesweit gibt es unzählige Restaurants, Cafés und Imbissbuden, die keine tierischen Gerichte anbieten.

Tofu hat sein Öko-Image schon lange abgelegt, denn viele Studien haben bewiesen, dass der Unterschied zu anderen Lebensmitteln kaum zu schmecken ist. Die etwas gummiartige Masse aus Sojabohnenteig kann für verschiedene Gerichte verwendet werden und findet besonders in der asiatischen Küche eine vielseitige Anwendung. Wegen seines neutralen Geschmacks kann Tofu für Vorspeisen, Hauptgerichte oder Desserts verwendet werden.

Ernährungswissenschaftler und Mediziner sind sich seit vielen Jahren nicht einig, ob eine vegetarische oder vegane Ernährung über eine lange Zeit hinweg schädlich für die Gesundheit ist. Dennoch verzichten zunehmend immer mehr Menschen auf Fleisch, Fisch und andere tierische Produkte oder haben den Verzehr stark reduziert. Der Trend in deutschen Küchen geht ohnehin in die Richtung besser und gesünder kochen. Biolebensmittel, Obst und viel frisches Gemüse finden heute immer öfter den Weg in den Einkaufswagen.

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.