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Hotel am Steinplatz in Berlin

Grüße vom Steinplatz

Gerichtet ist alles wie zum Empfang von Staatsgästen. Ein distinguierter Doorman, ein Spalier junger Frauen mit Gardemaß, geballte Freundlichkeit überall. Edle Lampen schaffen gutes Licht, auch der letzte Winkel blitzt, und in der Luft liegt eine außergewöhnliche Spannung.

Zum ersten Mal präsentiert sich das Hotel am Steinplatz der Öffentlichkeit. Doch es sind keine hochgestellten Persönlichkeiten, die sich an diesem zweiten Adventssonntag hier die Ehre geben, sondern ganz normales Volk, Menschen aus der Nachbarschaft, Familien, Geschäftsleute, Senioren.

Drei Jahre lang haben sie den Baulärm und die Straßensperrungen ertragen, nun siegt die Neugier. General-Managerin Iris Baugatz, 39, Rheinländerin aus Bergisch Gladbach und ihre Direktorenkolleginnen – das Gros der Führungsmannschaft ist weiblich, gebildet und gutaussehend, Hotellerietrend oder Kalkül? – präsentieren stolz, was es zu zeigen gibt. Zuerst viel Räumlichkeit, nirgendwo das Gefühl von Enge. Selbst Menschen, denen Funktionalität vor Schönheit geht, bemerken, wie sehr hier die Liebe zum Detail regierte. Beispielsweise die Rezeption. Kein Business-Check-In-Schalter, der die Hotelhalle zum Terminal macht, sondern ein Séparée mit nicht nur zweckmäßiger Ausstattung. Anschauungsunterricht, wohin die internationale Luxushotellerie geht: neben den unpersönlichen Betonburgen mit ihrem genormten Komfort, der Plüschigkeit alter Grandhotels oder der Nacktheit sogenannter Designherbergen sind es zunehmend solche Art von – sicher, ein abgedroschener Begriff – Wohlfühlhäusern, die mit viel Individualität und vor allem ihrer besonderen „Persönlichkeit“ punkten. Wenn jetzt noch das hotelwichtigste, das Bett für die Nacht, Güte wie Ambiente und Service ist, dann dürfte das Hotel am Steinplatz schnell auf einem Platz ganz vorn im Hauptstädtischen Ränking zu finden sein.

Was es mit Sicherheit werden wird: ein Treffpunkt für Berliner. Wo sehen wir uns?

19 Uhr, Bar am Steinplatz. Woher die Sicherheit rührt? Auch hier ist es nicht schwer, Antwort zu geben: aus der Atmosphäre des Raumes und dem Konzept des Barchefs Christian Gentemann. Der 29-Jährige hat die sattsam bekannten Klassiker beiseite geschoben und mixt regionale Spezialitäten – beispielsweise einen Haus-Martini: Holsteiner Korn, deutscher Wermut, Steinpilzpulver.

Und hier hat endlich auch einer mal abseits der Szenekneipen den Mut, Berliner Bier zu zapfen – nicht die Weißenseer Massenware, sondern Wilko Bereits Individualbier vom Neuköllner Rollberg. Hut ab!

Ein besonderes Kapitel widmen wir der Küche, selbst, wenn wir sie bisher nur sehen und nicht testen konnten. Aber erstens führt hier Marcus Zimmer ein alter Fahrensmann Regie, zuletzt im Guy mit 15 Gault-Millau-Punkten registriert, zweitens ist der Schatten seines Alter ego, des Kreuzberger Sternekochs Stefan Hartmann allgegenwärtig, der Zimmer als Berater zur Seite stand und drittens sind die beiden und ihre junge Brigade auf einen Zug gestiegen, der zum richtigen Ziel fährt. Kulinarisch heißt das „Neue Deutsche Küche“, typisch deutsche Gerichte also, die neu interpretiert und mit regionalen Produkten gekocht. Und von deutschen Weinen begleitet.

Das Restaurant folgt dem Konzept in dem Luxus hier neu definiert wird: weg vom klassischen Luxustempel mit Etikette, hin zum ungezwungenen Essvergnügen. Ein Plädoyer für den Hedonismus, also, bis bald am Steinplatz.

Hotel am Steinplatz

Steinplatz 4
10623 Berlin – Charlottenburg

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.