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Türkisch essen in Berlin

Mein erstes türkisches Restaurant – Erlebnis in Berlin war das Merhaba in der Bundesallee. Was damals dort serviert wurde, weiß ich nicht mehr. Lediglich eine traditionelle türkische Süßspeise ist mir noch im Gedächtnis, weil ich die bis heute dato nicht kannte. Später gab es da noch das Bagdad in Kreuzberg wegen des schönen Gartens und irgendwann auch mal das Köpenicker Lehmofen – Restaurant, weil Freunde zu Gast waren, die in einem Gastro – Guide darüber gelesen hatten. Meine Erfahrungen mit türkischer Küche in Berlin waren also nicht eben überragend, als der Verlag mich beauftragte über dieses Thema zu berichten. Ich bat also einen alten Bekannten um Unterstützung. Renda Kara – ist zwar kein Journalist, sondern Ingenieur, aber ein Hobby – Feinschmecker par excellence und dazu einer, der sich auskennt und weiß, wovon er spricht.

Wir sprechen außerdem – natürlich – über den Döner und dessen erfolgreiche Kreuzberger Vegetarische Variante sowie über drei türkische Restaurants in Berlin, die nun nicht gerade solchen Hotspots wie dem Mikla im Istanbuler Bezirk Beyoglu oder dem Tugra in Besiktas Konkurrenz machen können, aber durchaus kulinarisch respektabel daherkommen.

Renda F. Kara, 50, stammt aus dem südtürkischen Adana, einer Dreieinhalb-Millionen-Einwohner-Stadt nahe der Mittelmeerküste. Nach Gymnasium und Abitur in der Türkei kam er 1981 nach Berlin und studierte an der Technischen Universität Geophysik, Abschluss Diplom-Ingenieur. Kara eröffnete ein Ingenieurbüro, Schwerpunkt Kfz-Gutachten. Ende der 1990er betrieb der leidenschaftliche Feinschmecker und ausgewiesene Weinkenner neben seiner Tätigkeit als Technik-Sachverständiger das Baccanale, ein kleines, feines Weinlokal in Prenzlauer Berg.
Mit Blick auf die türkischen Restaurants in Berlin sagt er: „Da gab es noch einige kulinarische Reserven – verglichen mit dem, was die Spitzenrestaurants derzeit zum Beispiel in Istanbul, Izmir oder in  Alaçatı servieren.“

 

Renda Kara, wo gibt es denn die besten türkische Küche in Berlin?
Ich vermute mal, dass in den meisten türkischen Familien besser gekocht wird. Natürlich sind das fast immer die traditionellen, regionalen Gerichte, die häufig nach Rezepten zubereitet werden, die von Generationen zu Generationen weitergegeben werden.

Wie gut ist denn die türkische Küche?
Also, die türkische Küche, das ist so ein Begriff, mit dem ich nicht allzu viel anfangen kann. An der Ägäis oder der Schwarzmeerküste etwa wird anders gekocht als in Mittel- oder Ostanatolien.
Eins allerdings ist unbestritten: sie zählt zu den besten Küchen der Welt – wegen der Qualität und des Reichtums der landwirtschaftlichen Produkte in der Türkei, wegen der jahrtausendalten kulinarischen Tradition und den vielen Einflüssen aus ganz Asien und dem Mittelmeerraum. Aber es gibt inzwischen auch eine sehr moderne Küche, die in Deutschland leider beinahe unbekannt ist.

Was verbirgt sich dahinter?
Nehmen Sie beispielsweise das Restaurant „La Mouette“ im Istanbuler Tomtom Sûites-Hotel. Hier stehen mit Cihan Kipcak und Üryan Dogmus zwei junge Küchenchefs am Herd, die auf Frische und Qualität der Zutaten ebenso Wert legen wie auf überraschende Aromenkombinationen. Frische Garnelen werden leicht über Pinienholz geräuchert. Dazu gibt es salzigen Meeresspargel, fruchtig-süßes Paprikapüree und säuerliches Taramas, das ist eine Fischrogenpaste, die im „La Mouette“ allerdings nichts mit dem gemeinsam hat, was in Berlin vielerorts unter gleichem Namen verkauft wird.
Oder der im Vakuum gegarte Seeteufel, der von einer intensiven Tomatenreduktion, salzigem Kapernmus begleitet wird. Diese Gerichte sind dann übrigens auch so angerichtet, wie das in deutschen Sternerestaurants üblich ist, vielleicht sogar zu kunstvoll. Magazin 4011

Vergibt der Michelin eigentlich Sterne in der Türkei?
Nein, bis nach Istanbul oder gar noch weiter sind die Michelin-Inspektoren noch nicht vorgedrungen.

Kommen wir zurück nach Berlin.

Welche türkischen Restaurants empfehlen Sie Gästen gerne?
Das ist deshalb ziemlich schwierig, weil ich nicht alle türkischen Restaurants kenne, aber das Honca in Wilmersdorf, Osmans Töchter in Prenzlauer Berg, das Tugra am Kurfürstendamm, das Defne in Kreuzberg, das Baba Angora in Charlottenburg oder das Anfora in Lankwitz sind schon verlässliche Adressen.

Sie haben selbst man ein kleines Weinrestaurant betrieben, wie steht´s um den türkischen Wein?
Da sollte man erst mal fragen, wie es um die türkischen Winzer steht, weil sie mit einem kürzlich erlassenen Gesetz leben müssen, das beispielsweise auch die Werbung für Wein stark einschränkt. Ich habe gehört, dass selbst die Internetauftritte der Winzer in der Türkei zensiert werden sollen. Das wird ein ziemlich herber Schlag für den türkischen Weinbau sein, der sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt hat. Einige respektable Gewächse können Sie in übrigens in türkischen Restaurants, etwa dem Honca oder dem Tugra, probieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.

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