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Berliner Frühstück – Müsli

War es nun wirklich der Bauer, der Fürst oder gar doch der Kaiser, den der Volksmund einst bemühte, um zum Ausdruck zu bringen, wie ein Frühstück beschaffen sein müsste? Die einschlägigen Zitatensammlungen wissen es auch nicht. Klar wird trotzdem, dass das Frühstück abwechslungsreich, und nicht langweilig sein sollte, wenn man es sich denn leisten konnte. Das ist heute nicht anders. Das Frühstück ist das Sprungbrett in den Tag. Nach acht bis zwölf Stunden Schlaf sind die Energie- und Nährstoffreserven aufgebraucht und die Energiedepots des Körpers verlangen Nachschub.

,,No business before breakfast“, sagt der englische Schriftsteller William Thackeray über die Gewohnheit seiner Landsleute beim Start in den Tag. Und so besteht das englische Frühstück aus Orangensaft, frischer Grapefruit natürlich aus Porrige, Ham und Eggs mit Champignons und Grilltoberliner_fruehstueck046maten, vielleicht etwas Räucherfisch sowie Tee, Toast und Jam. Das ist den meisten Deutschen am Morgen eher zu viel Vielfalt. Schließlich leisten sie nach der ersten Mahlzeit des Tages in der Regel Büro- und keine Schwerstarbeit. Also bevorzugen sie Joghurt, Käse, Milch, Honig, Konfitüre, Quark, Eier, Obst, Kaffee und natürlich Müsli.

Tatsächlich, die Deutschen sind eine Müsli-Nation – spätestens seit den 1970ern, als hierzulande die ersten Naturkostläden entstanden – der Erdgarten in München, das Macrohaus in Münster, Schwarzbrot in Hamburg und Peacefood in Berlin beispielsweise. Sie boten Haferflocken-Müslis an, die zwar den ökologischen Ansprüchen der Händler und Kunden genügten, geschmacklich allerdings eine Zumutung waren. Es dauerte noch ein paar Jahre, bis sich das änderte. Zu den Berliner Naturkost-Pionieren, die ihre Müslis nicht mehr aus dem mischten, was gerade vorhanden war, sondern die Zutaten fein komponierten, gehört Sofie Bernau. Ihre Kreationen heißen ,,Berliner Frühstück“ und gelten unter Kennern als das Beste am Müsli-Markt seit Bircher.

Sofie Bernau hat zwei Lieblingsthemen – den Lette-Verein und das Müsli-Machen. Was beide miteinander zu tun haben? „Ohne den Verein wäre ich nicht auf das Müsli gekommen“, klärt die Unternehmerin auf. Etwas weniger verkürzt geht die Geschichte so: Sofie Bernau, geboren im schleswig-holsteinischen Rendsburg, kam als Vierjährige nach Berlin, weil ihr Vater hier ein Engagement als Violinist bei den Berliner Sinfonikern antrat. Schule, Abitur und eine Ausbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin beim Lette-Verein folgten. Der schickte sie auch zum Praktikum an das Zürcher Universitäts-Spital.

Dort lernte Sofie Bernau nicht nur das bekannte Kalbsgeschnetzelte kennen, sondern bekam auch Kontakt zu vielen Bircher-Bewegten. Der Schweizer Arzt Max Bircher-Benner (1867-1939), Erfinder des gleichnamigen Müslis, gilt bei seinen Jüngern bis heute als bedeutendster Vollwert-Pionier und sein Bircher-Müsli als Nonplusultra gesunder Ernährung, weil es alle wichtigen Nährstoffe in ausreichendem Maß enthalten soll. Wie auch immer, Sofie Bernau beschloss, nach Berlin zurückzukehren und sich der Müsli-Herstellung zu widmen.

1987 kam ihre erste eigene Kreation auf den Markt, ein Honig-Mandel-Müsli, das sie „Berliner Frühstück“ nannte. Bei dem Namen blieb es. Inzwischen fertigen die 49-Jährige und ihre vier Mitarbeiter 12 verschiedene Müsli-Kreationen – alle in Handarbeit, alle ausschließlich aus Bio-Produkten und alle lediglich mit naturreinem Blütenhonig gesüßt. Einige Müslis werden zusätzlich im Steinofen gebacken, damit sie besonders knusprig werden.berliner_fruehstueck022
Es gibt Herrenmüsli, Reisemüsli, Sportlermüsli, Müsli für Allergiker, vegane und glutenfreie Müslis, die ganze Palette. „Wir wissen, was unsere Kunden wünschen“, sagt Sofie Bernau. „Sie wollen Nachhaltigkeit, Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und sie wollen Genuss.“

2013 zog die Unternehmerin aus ihrer Kreuzberger Hinterhofwerkstatt nach Treptow und eröffnete am neuen Standort in der Südostallee gleich noch ein Schönwettercafé: „Bio-Eis, Getränke und natürlich gibts unsere Müslis hier auch, einschließlich der neuesten Kreation, einer Müsli-Geschenk-Box“, so Sofie Bernau. Sie beliefert Berliner Cafés und Hotels, die Domäne Dahlem, die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen – und darauf ist sie besonders stolz – die Feinkostgeschäfte von Robert Lindner. „Hinzu kommt natürlich mein Online-Shop.“
Übrigens: Im Februar 2016 feiert der Lette-Verein seinen 150. Geburtstag. Dann wird es im Ephraim-Palais eine große Ausstellung geben, die Sofia Bernau mit organisiert.

CAFÉ SCHÖNWETTER

Südostallee 169
12487 Berlin-Treptow
Tel. 030 – 618 17 20
www.dasberlinerfruehstueck.com

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.

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