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Weltnudeltag

Alles hat seinen Tag. Der Vater, die Mutter, das Kind, Sankt Martin und Sankt Nicolaus, die Berge, die Wälder, selbst einen Weltzugvogeltag und einen Welttoilettentag gibt es und – natürliche auch einen Weltnudeltag. Eingeführt wurde er 1995, in diesem Jahr fiel er auf den 25. Oktober.
Mit 30 Kilogramm Nudeln – pardon, in diesem Fall sollte es wohl doch besser Pasta heißen – führen die Italiener die Weltrangliste der Teigwarenkonsumenten an, gefolgt von den Griechen. Auf Platz sechs liegen mit 7,7 Kilogramm die Deutschen, das sind immerhin zwei Kilogramm mehr als noch vor zehn Jahren. Tendenz – weiter steigend. Die wichtigsten deutschen Nudelhersteller sind im Verband der deutschen Getreideverarbeiter und Stärkehersteller zusammengeschlossen, der seinen Sitz übrigens in Berlin hat. Das deutsche Nudelzentrum allerdings ist Baden-Württemberg. Im Ländle gibt es die meisten Produzenten, und hier hat die Nudel auch den höchsten Stellenwert in der täglichen Ernährung.

„Wir verzichten auf Nudeln und Kartoffeln, genauso wie auf weißen Zucker auf weißen Reis. Zur Verdeutlichung: Es dreht sich um eine einfache sinnliche Erfahrung, wie beispielsweise bei einer Scheibe Wurst. Du schmierst Dir eine Stulle mit Butter und legst sie obendrauf. Die Wurst wird von dem ganzen Kleber und der ganzen Stärke und der Süße eingehüllt. Es gibt da keinen Mehrwert.“ Sprach Time Raue. So also ist das, und ich dachte immer, Nudeln seien deshalb in der Sternegastronomie verpönt, weil sie Sauce brauchen und Sauce dort meist nur als Pünktchen, Pünktchen, Komma, Strich verarbreicht wird. Wie auch immer, für einen guten Teller Nudeln sollte man zumindest in Berlin – die besternten Gourmettempel tunlichst links liegen lassen. Wir empfehlen jene Italiener, die ohne genormte Speisekarten auskommen – also beispielsweise die Trattoria Paparazzi in Prenzlauer Berg (Husemannstraße 35) oder die Bar Centrale in Kreuzberg (Yorckstraße 82). Hier bereiten Doris Burneleit, die eigentlich aus Lutherstadt Wittenberg stammt und Pasquale Ciccarelli, gebürtiger Neapolitaner und schon daher Pastakenner par exellence, die Nudeln so zu, wie es sein sollte – in sprudelnd kochendem Wasser und mit ordentlich Meersalz bissfest gegart.

Neben Italien ist China das zweite große Nudelland und blickt auf mindestens 4.000 Jahre Teigwarengeschichte zurück. Japan wiederum übernahm von China neben der Schrift auch viel Alltagskultur – darunter natürlich auch die Nudel. Von hier aus erreichte sie Korea, Thailand, Vietnam. Kein Wunder, dass in den hunderten Berliner Asia-Restaurants und -Imbissen Nudeln hoch im Kurs stehen – als Pho bo, Pho ga, als Kake-Soba, oder als Udon mit Ingwer und Yuzu-Saft. Nudeln international, längst kein Thema mehr in der Hauptstadt .

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