Home / Garcon / Olivenöl Il Casone 1729
Il-Casone003-600x330

Olivenöl Il Casone 1729

Es war einer jener regnerischen Augusttage, an dem sie mit ihrem Sohn Alexander in den Olivenhain ging. Als die beiden nach fast einer Stunde zurückkehrten, erklärte Andrea Lehmann lakonisch: „Keine Ernte in diesem Jahr.“ Sie informierte ihre Kunden in Deutschland und Österreich: In der Toskana herrschten das ganze Jahr über katastrophale Witterungsverhältnisse, in deren Folge wir nicht die gewohnte Qualität des Olivenöls garantieren können. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die Oliven 2014 nicht zu ernten. Wir geben der Erde die Früchte zurück. Sie werden zu einem ausgezeichneten Dünger für die Bäume, und wir hoffen, dass die nächste ErntIl Casonee dadurch umso besser wird.“

Wie der „Landfrau“, wie sich Andrea Lehmann selbst gern nennt, zumute war, als sie diese Sätze in ihren Computer tippte, konnte man nur erahnen. Die aufgeschlossene, kommunikative und ungezwungene Regentin auf Il Casone wirkte stiller als sonst, nachdenklicher, unendlich wortkarg. Schweigen ist eben auch ein Statement.

Irgendwann kam dann doch ihr „Also, es ist so…“, mit dem Andrea Lehmann Erklärungen und Erläuterungen einzuleiten pflegt. Sie spricht darüber, weshalb der Dauerregen, der viele Tage im Frühjahr und Sommer die Toskana heimsuchte, einen so gigantischen Schaden in den jahrhundertealten Olivenhainen anrichten konnte.

„Wir arbeiten auf Il Casone biologisch“, sagt sie, „und versuchen deshalb, der Olivenfliege, dem am meisten gefürchteten Schädling im Olivenanbau, nicht mit Pestiziden, sondern mit Hilfe von Kaolin beizukommen. Die pulverisierte Porzellanerde wird in die Bäume gespritzt, das färbt Blätter und junge Früchte weiß, und die fremde Farbe hält die Olivenfliege fern.“ „Und was hat das mit dem Regen zu tun?“ Andrea Lehmann lächelt: „Wenn er kommt, wird das Kaolin abgewaschen und Sie haben umsonst gespritzt.“

Sie hat in diesem Jahr häufig umsonst gespritzt, die Fliege konnte ihre Eier in die reifenden Früchte legen, von denen sich die Maden dann ernährten. Ergebnis: Die Ernte ist perdu, Totalschaden. „Questa pazza estate mai partita“, zitiert sie einen italienischen Meteorologen, „ein verrückter Sommer, der vorbei war, bevor er begonnen hatte.“ Die schönen weißen Steingutflaschen, Ergebnis apulischer Handwerksarbeit, eine Geschenkedition, exklusiv für Il Casone gefertigt, bleiben in diesem Jahr leer. Es ist nicht nur der finanzielle Verlust, der die Olivenbäuerein schmerzt, vor allem ist es die Ohnmacht, den Auswirkungen der menschengemachten Klimaveränderung nicht begegnen zu können.

„In einigen Regionen Norditaliens betragen die Verluste bei Obst, Gemüse und Oliven fast 70%“, so Andrea Lehmann.
Andrea Lehmann muss nun allein auf ihr zweites Standbein setzen. Sie vermietet großzügige Suiten an Gäste, denen das Landgut als Hideaway gilt, als luxuriöses „Versteck“ abseits des Touristentrubels von Vorte dei Marmi oder Viareggio. Und sie öffnet ihr Landgut für besondere Feiern und Feste. „Eine Hochzeit auf Il Casone ist einfach ein Traum“, sagen Vederica Salza, Managerin eine der ältesten und größten Catering-Unternehmen Italiens und Ihr Bräutigam Matteo Agrifolio, nach dem sie sich das Ja-Wort gegeben hatten.

www.ilcasone1729.com

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.

Leave a Reply

Your email address will not be published.