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Fuhrmanns Früchtekorb – Blumenkohl

Dass es sich beim Blumenkohl nicht um ein junges Gemüse handelt, beweist das Bild auf der gegenüberliegenden Seite wohl eindeutig. Es zeigt eine frühe Vertreterin unserer Branche, deren Name allerdings nicht überliefert ist. Gemalt wurde sie von dem Niederländer Pieter Aertsen im Jahr 1567. Erstaunlich, dass der Künstler Blumenkohl überhaupt malen konnte, denn in jener Zeit waren viele Gemüsesorten nur in Italien bekannt – neben der Artischocke, dem Spargel, der Tomate eben auch der Blumenkohl.

blumenkohl-altes-bildUrsprünglich stammt er aus Kleinasien, wahrscheinlich waren es Kreuzfahrer, die seine Samen mit nach Europa brachten. Übrigens: Ob Blumenkohl oder Brokkoli – botanisch gesehen nahe Verwandte – älter ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Kultiviert wird das kalorienarme, aber mineralstoff- und vitaminreiche Gemüse heute vor allem in China (418.000 Hektar) und Indien (350.000 Hektar). Damit verglichen, wirken die Blumenkohlfelder in Europa wie Minigärten: Spanien und Frankreich (je 23.000 Hektar), Italien (18.000 Hektar) und England (16.000 Hektar) sind die Anbau-Spitzenreiter, Deutschland rangiert mit knapp 7.000 Hektar unter ferner liefen.

Blumenkohl gilt – wir Großhändler merken das auch an der Nachfrage – als eher langweiliges, geschmacklich leicht muffiges, also nicht besonders prickelndes Gemüse. Ich vermute stark, dass dieser Ruf allerdings weniger am Blumenkohl liegt, sondern eher an seiner Verarbeitung. Meist wird er viel zu weich gekocht und dann unter Béchamelsauce oder Sauce hollandaise begraben. Aber es geht auch anders.

Kürzlich las ich beispielsweise ein Rezept, das Blumenkohl, fein gerieben und mit etwas Weißweinessig und Zitronenabrieb in der Pfanne angeröstet, sich als Couscous empfiehlt. In Frankreich habe ich häufig Blumenkohlpüree gegessen, das schmeckt hervorragend etwa zu gegrilltem Fisch. Und ich lobe mir auch die guten alten Dubarry-Zubereitungen, etwa als durchgestrichene Blumenkohlsuppe mit Blumenkohlröschen als Einlage. Der Name geht übrigens auf die Hofdame Marie Jeanne du Barry (1743-1793) zurück, der es zu verdanken ist, dass der Blumenkohl in Frankreich hoffähig wurde und in die Haute cuisine einzog.

Zum Schluss meines Plädoyers für das meiner Meinung nach allzu häufig unterschätzte Kohlgemüse noch ein Tipp aus der Küche meiner Frau: Sie schneidet Brokkolistängel oder Blumenkohlstrünke in Stifte und schwenkt sie kurz in Butter an. Zum Schweineschnitzel oder Zanderfilet serviert, macht diese Beilage fast dem Spargel Konkurrenz.

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Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.

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