Home / Aktuell / Ein Interview mit Christa Lutum

Ein Interview mit Christa Lutum

Christa Lutum, Bäckermeisterin, so steht es über ihrem Geschäft. Hier bin ich, das bin ich. Content is king. Christa Lutum, Jahrgang 1961, wuchs im Münsterland auf, lernte Bäckerin und kam 1982 nach Berlin. Sie arbeitete bei Mehlwurm und in anderen Vollkornbäckereien und legte 1986 vor der Handwerkskammer Arnsberg ihre Meisterprüfung ab. 1993 gründete sie mit Antonius Beumer in Kreuzberg die Bio-Bäckerei Beumer&Lutum GmbH. Nach 22 Jahren gemeinsamer Arbeit beschloss Christa Lutum, wieder eigene Wege zu gehen. Im Juni 2016 eröffnete sie in der Charlottenburger Giesebrechtstraße ihre Bio-Backstube mit Café. Klein und fein, taubenblau und kastanienbraun, Wohlfühlatmosphäre. Ein Treffpunkt im Kiez. Im November 2017 wurde die 56-Jährige zur Landesinnungsmeisterin Brandenburg und einen Monat später zur Obermeisterin der Berliner Bäckerinnung gewählt.

Damit sind Sie sozusagen die Chef-Bäckerin in Berlin und Brandenburg.

Na ja, das ist so eine typische Journalisten-Wortschöpfung, aber in der Kürze liegt nicht immer die Würze. Ich bin an die Spitze der Innungen in Berlin und Brandenburg gewählt worden – in Berlin übrigens als erste Frau seit 746 Jahren – um gemeinsam mit anderen engagierten Meistern die Interessen unserer Mitglieder zu vertreten, ihnen beispielsweise in der Politik Gehör zu verschaffen, sie bei der Lösung von Problemen zu unterstützen, Lobbyarbeit für unser Handwerk zu machen. Außerdem haben wir die Ausbildungs- und Prüfungshoheit, das heißt, wir bilden Bäcker aus und nehmen Gesellen- und Meisterprüfungen ab.

Wie viele Innungsbetriebe gibt es eigentlich in Berlin?

Von den 135 Handswerksbäckerein in der Stadt gehören 70 unserer Innung an, das sind knapp 52 Prozent. Insgesamt ist der Organisationsgrad der deutschen Bäcker allerdings höher, 61 Prozent etwa.

Und welches ist deren größtes Problem?

Ganz klar, der Nachwuchs.

Sie finden zu wenige Lehrlinge?

Ja, es sind zu wenige, aber wir beobachten auch eine gewisse Trendwende, das heißt, es entscheiden sich wieder mehr junge Menschen ganz bewusst und eindeutig für den Bäckerberuf, viele davon sogar mit Abitur.

Sie sagen ‚wagen‘, das klingt nach ziemlich großem Risiko.

Ich sage nicht, dass die Selbständigkeit, ob als Bäcker, Metzger oder in einem anderen Beruf, risikofrei ist. Das wissen auch die meisten Nachfolge-Kandidaten. Hemmnisse sind, zumindest in Berlin, die häufig horrenden Mieten oder solche Sachen wie der Emissionsschutz, der Gerüche als Emissionen definiert und allen, die sich davon belästigt fühlen, das Recht gibt, sich zu beschweren. Nun versuchen Sie mal Brot zu backen, ohne dass es nach Brot riecht.

Kommen wir mal zur Lehrlingsausbildung. Wie viele junge Leute erlernen denn derzeit in Berlin das Bäckerhandwerk?

Wir haben aktuell pro Lehrjahr 40 Auszubildende, insgesamt also 120. Vor zwei Jahren zum Beispiel hatten wir mit Ach und Krach gerade mal zwei Klassen, das waren summa summarum 50 Auszubildende.

Eine Trendwende?

Durchaus. Ich stelle speziell in Berlin eine Trendwende fest. Es gibt wieder mehr junge Leute, die sich für den Bäckerberuf interessieren, viele davon sogar mit Abitur.

Und dennoch haben Sie ein Lehrlingsproblem?

Ja, es gibt nämlich einen zweiten Trend, das Einkaufsverhalten vieler Berliner. Wir beobachten, dass sie ihre Backwaren wieder lieber bei uns Handwerksbäckern kaufen, von denen sich übrigens viele spezialisiert haben, um am Markt mithalten zu können. Jetzt wären also wieder mehr Bäcker nötig, aber eine Branche, die jahrelang ausgehungert wurde, kann nicht, sozusagen über Nacht, sich den notwendigen Nachwuchs backen.

Bilden Sie selbst Lehrlinge aus, Frau Lutum?

Ja, ich habe zur Zeit drei Lehrlinge, die sich übrigens alle nach ihrem Abitur ganz bewusst für meine kleine Bio-Backstube entschieden haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Genuss für unterwegs – GARCON als APP

Christa Lutum Bäckermeisterin
Giesebrechtstraße 22
10629 Berlin-Charlottenburg

christa-lutum.de

Leave a Reply

Your email address will not be published.