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afrikanisch – Restaurant Ebe Ano

„What about real homemade African food in Berlin?“, fragt die Autorin Francoise Poilâne in der Septemberausgabe 2012 des englischsprachigen Magazins EXBERLINER. Eine ihrer Antworten heißt Ebo Ano.

Mit Empfehlungen ist das zwar so eine Sache, aber weil wir die kulinarische Kompetenz der Kollegin schätzen, machen wir uns auf den Weg in den Bezirk Tiergarten. Vor der Tür parkt ein schwarzer, schwerer Wagen mit Diplomatenkennzeichen. Im Ebe Ano, dem kleinen Restaurant nahe der Kreuzung Potsdamer- und Pohlstraße, sitzen vier Afrikaner an einem der blanken Holztische, zwei Damen und zwei Herren in feinem Zwirn und essen. Da sie die einzigen Gäste an diesem Spätnachmittag sind, liegt die Vermutung nahe, dass die vier mit der besternten Limousine gekommen sind.

Das ist für uns deshalb wichtig, weil wir aus der Erfahrung etwa mit chinesischem Restaurants eins wissen: Wenn dort auch Chinesen verkehren, ist das Essen meist authentisch und einigermaßen ambitioniert. Also nehmen wir uns diese Schlussfolgerung auch als richtig für das Ebe Ano an.
Der Empfang ist freundlich und erstaunlich europäisch. Kein Wunder, Antonella Mazzi, die Service-Chefin, stammt aus Italien. „Toskana“, fügt sie hinzu, das ist der Frau offenbar wichtig. Garcon Nr. 23034
Richtig afrikanisch wird es erst, als ihr Partner aus der Küche kommt. „Valentine“, stellt er sich vor. „Der Chef“, sagt Antonella. Valentine C. Nnamani, ein Mann wie ein Baum, grinst:  „Der Küchenchef.“
Damit ist alles gesagt, und Valentine verschwindet wieder hinter der kleinen Tür am Ende des Raumes.

Der 50-Jährige stammt aus der nigerianischen Millionenmetropole Lagos, lebt seit 13 Jahren in Berlin und betreibt gemeinsam mit Antonella Mazzi seit Anfang 2002 das Ebe Ano. „Nigerian soul food“ heißt ihr Küchenkonzept, Essen für die Seele. Das ensteht in einer winzigen Küche, über deren Ausstattung deutsche Herdprofis nur müde lächeln würden: Herd, Kühlschrank, Küchenmaschiene, Fritteuse, Mikrowelle, Arbeitsplatte, ein halbes Dutzend Töpfe, ebensoviele Pfannen, Schöpfkellen, Siebe, Messer, das war’s dann auch schon. Bitterspinat, Bohnenpaste, Erdnusssauce, Kochbananen, Kokosmilch, Okraschoten, Palmöl, Yamswurzel, jede Menge scharfer Gewürze, dazu Reis, Fisch und Fleisch – das sind die wichtigsten Zutaten einer Traditionsküche, deren Gerichte von pikant bis rigoros gewürzt auf die Teller kommen, letzteres auf Wunsch bis zum Zimmerbrand.
Als Einstieg in den Test nigerianischer Spezialitäten empfehlen wir Fried Plantain und Fried Yam, Kochbanane und Yamswurzel, beides frittiert, beides Grundnahrungsmittel in Westafrika, dazu Jollof, das ist Gemüse in Tomatensauce.
Einen Tick exotischer  Garcon Nr. 23033ist Egussi, das mit Reis serviert wird. Dabei handelt es sich um eine Sauce, die aus den gemahlenen Kernen der Egussi-Melone zubereitet wird, würzig und leicht nussig im Geschmack. Und richtig zur Sache geht es dann beispielsweise bei der Pepper soup goat, einer scharfen Ziegensuppe. Gegessen wird übrigens auch hier mit den Fingern. Das erklärt die grünen Plastikschüsseln mit warmen Wasser, die Antonella immer als erste auf die Tische stellt.

Chef Valentine achtet in seiner Küche auf Prinzipien. Er lässt getrocknete Kräuter und Gewürze lieber von zu Hause einfliegen oder mitbringen, statt sich in die geschmacklichen Niederungen deutscher Großhandelsware herabzulassen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb das Ebe Ano meist gut besucht ist – zunehmend von Berlinern übrigens, die afrikanische Gerichte testen wollen. Auch wenn sich ihnen nicht alles als kulinarische Offenbarung erschließt, bleibt das erhabene Gefühl, original westafrikanisch zu essen – aufgrund der vielen Afrikaner ringsum.

Ebe Ano

Bambergerstraße 49
10779 Berlin-Tiergarten
www.ebe-ano.de

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