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Lust auf Schweden

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Café Valentin

Ich liebe Zimtschnecken und lasse mich davon auch dann nicht abbringen, wenn mal wieder irgendein Blatt glaubt, Cumarin-Alarm geben zu müssen.

Außerdem benutzt die Bäckerin meines Vertrauens sowieso nur erstklassige Zutaten, also auch den besten Zimt, nämlich selbstgemachten. Die Inhaberin stammt aus Schweden, ist sozusagen von Hause aus zimtschneckengeprägt. „Kanelbullar“ heißt das feine süße, mit Hagelzucker bestreute Gebäck im hohen Norden. Für die meisten Schweden zwischen Malmö und Kiruna bedeutet es das Gleiche wie für Franzosen das Croissant,- Identität, Tradition und höchsten Genuss zum Frühstückskaffee, Nachmittagstee oder irgendwann zwischendurch.

„Du brauchst Mehl, Buttermilch, Hefe, ein Ei, Puderzucker, ein bisschen Salz und Kardamom für den Teig“, erklärt sie, „außerdem Butter, Zucker und feinen Zimt für die Füllung, „ein Ei für die Glasur und Hagelzucker zum Bestreuen.“ Neben den Zutaten ist noch ein gehöriges Maß Erfahrung nötig, um die Schmecken so zu wickeln, dass sie leicht und fluffig werden.

Sie betreibt in der Neuköllner Sanderstraße mit dem Café Valentin eine der wenigen Aussenstellen skandinavischer Gastronomie in Berlin. „Wir machen ja nur ein kleines Kaffee-und-Kuchen-Geschäft“, wehrt sie ab, „aber Sie haben Recht, außer in der Kantine der Nordischen Botschaften, im Restaurant Munch’s Hus am Bülowbogen und in diversen Möbelhäusern findet die nordische Küche nur in den Berliner Medien statt. Sicher eine nachdenkenswerte Anmerkung.

Die 31-Jährige Schwedin stammt aus Stockholm, studierte dort Gesellschaftskunde, Geschichte und Geographie auf Lehramt, aber der Beruf war nicht ihrer. „Lieber Gatronomiestress als Schulstress.“, sagt sie. 2010 kam sie nach Berlin, lernte Deutsch – sie nennt es „Straßendeutsch“ – und eröffnete zwei Jahre später ihre Caféwinzigkeit namens Valentin: rund 25 Quadratmeter Wohnzimmer, ein bunter Mix aus Sesseln, Stühlen und Tischen. Bilder, die Küchenvitrine ein Tresen. Hinter dem agiert die Inhaberin, nymphisch schön und die Augen voll blitzender Heiterkeit.

„Hej, was kann ich Dir geben?“ Nun hat man die Qual der Wahl. Porridge? Eher nicht. Eine Zimtschnecke, natürlich. Und Torte gebacken von Lo und einigen Freundinnen, die ihr helfen, das Café zu führen. Meist gibt es vier verschiedene Sorten. „Toscakaka“, die berühmte schwedische Mandeltorte oder „Prinsesstårta“, die aufwändige Prinzessinnentorte? Oder Preiselbeerkuchen? Wir entschieden uns dann doch für eine der kalorienärmeren vegetarischen Smørrebrøds – Dänemark lässt grüßen, aber das sieht die Inhaberin nicht so eng.

Das Café Valentin in Neukölln ist leider dauerhaft geschlossen.

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