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Sabine Lischka gründet Hofkäserei – Teil 1

Wir sind in Blankenfelde verabredet. „Kirche, Kneipe, Kriegerdenkmal“, sagt Sabina Lischka, „dort können wir uns treffen, das liegt alles dicht beieinander.“ Blankenfelde also, das genau genommen nach einem Zusammenschluss von fünf Gemeinden Blankenfelde-Mahlow heißt und 24.000 Einwohner hat. Der Ortsteil Blankenfelde, so muss man heute also verwaltungstechnisch exakt formulieren, wirkt wie eine Stadtrandsiedlung und ist es wohl auch. Reihenhausidylle, mein Baum, mein Strauch, mein Carport. Man lebt ruhig hier draußen, Aufreger sind überschaubar – wenn mal wieder eine bedrohliche Information aus Schönefeld durchsickert, der künftige Großflughafen liegt in unmittelbarer Nachbarschaft – oder wenn einem ortsansässigen Medikamentenhandel Mafiakontakte nachgesagt werden.

Sabina Lischka kommt mit Rasanz und einer Honda CBF 600. Lady in black. In Blankenfelde will sie Käse machen. Und Butter. Auf dem Hof von Udo und Volker soll eine Hofkäserei entstehen, am Briefkasten klebt schon das Schild: Lischka, Käserei Blankenfelde in Gründung.

Der Hof von Udo und Volker – der guten Ordnung halber Prof. Dr. Udo Pursche und Dr. Volker Woltersdorff – befindet sich dort, wo Blankenfelde noch ein bisschen Dorf ist. Kirche, Kneipe, Kriegerdenkmal. Der Hochfrequenz- und Mikrowellenprofessor und der Kultur- und Literaturwissenschaftsdoktor übernahmen vor acht Jahren das Anwesen, zu dem neben einem Bauernhaus, einigen Ställen und Scheunen auch 22 Hektar Grün- und 6 Hektar Ackerland gehören.

Dazu Bressehühner, Pommerngänse, Bunte Bentheimer Schweine, Jerseyrinder, das volle Programm. „Wir sind keine Aussteiger, sondern Einsteiger“, so Woltersdorff. Der 47-Jährige stammt aus dem Allgäu und kümmert sich um die Tiere. Seinen Job an der Freien Universität hat er an den Nagel gehängt. Udo Pursche ist 49, Oberlausitzer, zuständig für die Feldarbeit und seit 2016 ordentlicher Professor an der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. „Einer muss das Geld ja verdienen.“

 

Ich bin auf den Hof von Udo und Volker gekommen und habe sofort gewusst, wow, das ist es. Dann kamen die beiden, ich habe gesagt, dass ich Milch suche und Käse machen will, ja, und dann war für sie ganz schnell alles klar und für mich auch.

Was braucht man, um Käse zu machen? „Milch. Und bevor Sie weiter solche Fragen stellen (das Attribut „blöd“ denkt sie, sagt es aber nicht), um guten Käse zu machen, braucht man gute Milch.“ Mit Sabina Lischkas Laune steht es nicht zum Besten. Im Dezember wollte sie mit ihrer Hofkäserei in Blankenfelde an den Start gehen, den ersten Käse produzieren, aber diese Rechnung hat sie wohl ohne die Ämter gemacht.

Im Juli stellte sie einen Antrag auf Nutzungsänderung – so heißt das im Behördendeutsch – (eine Hofkäserei ist ein Gewerbe, der Hof aber ein Landwirtschaftsbetrieb) beim zuständigen Bauamt des Landkreises Teltow-Fläming, dessen Bearbeitung allerdings aussteht. Weshalb, das weiß sie nicht. Nun macht sie erstmal Urlaub und hofft auf das Gute im Amt.

Zum Käsen kam die Berlinerin Sabina Lischka erst spät und durch einen Zufall. Sie studierte in Berlin Architektur, plante als Diplom-Ingenieurin in Düsseldorf Zweckbauten, fand den Job „saublöd“ und bewarb sich in München für ein zweites Studium – Nachhaltiges Ressourcenmanagement. Für ein Projekt zur Humuswirtschaft landete sie schließlich auf einem Gut in Schleswig-Holstein. Hier erst trat der Käse in ihr Leben. „Ganz unspektakulär, erzählt 37-Jährige, „es gab eine Käserei, der Käser war weg und ich war da. Und weil ich Käse mag, dachte ich, o.k., ich versuch es.“

Weshalb wir aus Berlin nach Blankenfelde gezogen sind? Ganz einfach: Wegen des Blicks in die Augen unserer Kühe. Erzählt uns Dr. Volker Woltersdorff, Literaturwissenschaftler und Landwirt

Sie ging zu einem alten Käser in die Lehre, absolvierte ein Praktikum an der Molkereifachschule in Kempten im Allgäu und zog überall dorthin, wo es in puncto Käse etwas aufzuschnappen gab. „Käse- und Buttertingelei“, nennt sie die anderthalb Jahre Wanderschaft, an deren Ende sie – inzwischen durch und durch Profi – die Leitung einer Käserei in Sachsen-Anhalt übernahm.

Dem Wunsch, sich selbstständig zu machen, folgte die Suche nach einem geeigneten Ort und die – siehe oben – Wow-Landung in Blankenfelde. Sabina Lischka stemmte den Umbau der ehemaligen Stallungen in käsetaugliche Produktions- und Reiferäume mit privaten Mitteln – „Fördermittel gibt es hier nicht, weil Blankenfelde weder strukturschwach noch gewerbearm ist“ – kaufte gebrauchtes, aber funktionstüchtiges Gerät und übt sich in dem, was sie am wenigsten hat, in Geduld.

 

(Fortsetzung folgt…)

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