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Eat!Berlin 2019 – eine Festivalnachlese Teil 1

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Wie das Feinschmeckerfestival eat!berlin in wenigen Jahren vom milde belächelten Leichtgewicht zum allseits beachteten Schwergewicht aufstieg, lässt sich gut an seinen Programmheften ablesen.

Das erste stammt aus dem Jahr 2012, wiegt 168 Gramm und offeriert auf 36 gehefteten Seiten 23 Veranstaltungen.

Das des Jahres 2019 bringt 503 Gramm auf die Waage und kündigt auf 88 gebundenen Seiten 79 Veranstaltungen an, von denen allerdings einige zweimal über die Bühne gingen, weshalb Festivalleiter Bernhard Moser resümieren konnte:

„Bei über 70 Veranstaltungen brachten mehr als 100 Spitzenköchinnen und -köche die Hauptstadt zum Kochen.“ Überhaupt Moser.

Man muss wohl schon sehr an eine Idee glauben, ein famoses Team und sein dickschädeliges Pinzgauer Gemüt haben, um einen solchen Brocken wie die eat!berlin zu stemmen, zumal jahrelang das „offizielle Berlin“ das Festival kaum zur Kenntnis nahm, von organisatorischer oder gar finanzieller Unterstützung ganz zu schweigen.

Seit anderthalb Jahren nun fördern Wirtschaftssenatorin und Bürgermeisterin Ramona Pop und ihre Verwaltung eat!berlin; mit der BSR, den Berliner Wasserbetrieben, der GASAG, der Metro und vielen anderen sind potente Partner im Boot; der Regierende schaut höchstpersönlich bei der Abschlussgala im Waldorf Astoria vorbei – kurz: Das Feinschmeckerfestival ist in der Hauptstadt angekommen.

Und nicht nur das. „40 Prozent der rund 8.500 Gäste in diesem Jahr reisten eigens wegen eines eat!berlin-Events an – einige sogar aus dem Ausland, etwa aus Dänemark, Italien, Mosambik und Singapur“, so Bernhard Moser. Doch das reicht dem Mann aus dem Salzburger Land noch lange nicht: „Wir wollen das Festival zu einem kulinarischen Weltereignis machen.“

 

 

Kaum war das eat!berlin-Programm 2019 online, gab es für das bauhaus-&-baustil-Dinner im Restaurant Duke des Ellington Hotels schon keine Karten mehr. Wen wundert’s – bei diesem Festivalgast!

Christian Bau, seit über 20 Jahren Küchenchef im „Victor’s Fine Dining“ im Saarland, seit 14 Jahren mit drei Michelin-Sternen höchstbewertet und vor sechs Monaten für seine Verdienste um die deutsche Spitzenküche mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Und einer der Wenigen, die auch mal Tacheles reden, wenn es um ihre Branche und deren gesellschaftlichen Stellenwert geht.

Der Süddeutschen Zeitung sagte er beispielsweise in einem Interview: „Das Kernproblem bei uns ist, dass sich keiner darum kümmert, dass die Gesellschaft erfährt, welche kulturelle Bedeutung die Top-Gastronomie hat. Wir machen hier keinen dekadenten Mist. Wir erfüllen eine Aufgabe!“

 

 

Tim Raue und Heinz Reitbauer gehören – außer für ein paar knickrige Michelin-Inspektoren, die den beiden kongenialen Herdarbeitern beharrlich den dritten Stern verwehren – zu den besten Köchen der Welt.

Wenn also Wiens Nummer Eins zu Gast ist bei Berlins Nummer Eins (eat!berlin sei Dank), dann erwartet die Fangemeinde natürlich nicht Beuschel und Bulette (wäre aber auch mal was), sondern großes Burgtheater.

Und das bekam sie – in sieben Gängen – vom Saiblingsfilet, das Reitbauer in Bienenwachs gart bis zum Hasenrücken Sichuan royale, den Raue „bleu“ brät.

Zu dem, was da serviert wurde – André Maciongas Cuvées eingeschlossen –hätte permanent der Kaiserwalzer gespielt werden müssen. Ein Abend der Kategorie wahrer Genuss.

 

 

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