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Dieter Fuhrmann

Erinnerung und Abschied

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Es gibt Tage im Leben, die vergisst man nicht. Und es gibt Nachrichten, die einen so unvorbereitet und überraschend treffen, dass man glaubt, den Halt zu verlieren. Eine solche Nachricht war die vom Tod Dieter Fuhrmanns am 15. Mai 2020.

Der Tag unserer ersten Begegnung liegt über zwanzig Jahre zurück. Während einer Party im Hotel Adlon – den Anlass habe ich vergessen – machte uns Karlheinz Hauser, der ehemalige Küchendirektor der Nobelherberge, miteinander bekannt. „Mein wichtigster Mann“, sagte Hauser damals, und ich glaubte tatsächlich, Dieter Fuhrmann sei Koch in einer von Hausers Brigaden. Darauf angesprochen, klärte er mich lächelnd über seine wirkliche Profession auf und lud mich ein, sein Unternehmen auf dem Berliner Großmarkt an der Beusselstraße zu besuchen.
Ich lernte einen klugen, uneitlen Menschen kennen, respektiert, empathisch und sympathisch, in dessen Leben es zwei Dinge gab, die für ihn so wichtig waren wie nichts anderes: die Familie und der Fruchtgroßhandel.

Dieter Fuhrmanns berufliche Karriere begann wie die vieler seiner Altersgenossen. Nach dem Krieg musste er seine schlesische Heimat verlassen, die Familie fand in Berlin ein neues Zuhause. Dem Schulabschluss folgte eine Kellnerlehre, seine wichtigsten Stationen waren die Hotels Am Zoo und Windsor. Als er 1977 mit einem Mitarbeiter und zwei VW-Bulli T2 in die Selbstständigkeit startete, feierte das deutsche Küchenwunder seine ersten Erfolge. Das Bekenntnis einer Avantgarde junger Köche zu frischem Obst und Gemüse, kürzeren Garzeiten und leichteren Saucen wurde zum Trend, an dem engagierte Lieferanten wie Dieter Fuhrmann durchaus einen Anteil hatten.

Die Firma wuchs, die Zahl der Kunden stieg ebenso wie die der Mitarbeiter. Dieter Fuhrmann blieb der, der er immer war: ein Mann mit Charisma, Fleiß und Disziplin. Ein erdnaher Unternehmer, der jeden auf Augenhöhe und mit Respekt behandelte. Ich erinnere mich auch, wie gut er darin war, anderen Ratschläge zu geben, dass sie sich schonen und auf sich aufpassen sollten. Er dachte stets viel mehr an andere als an sich selbst. Ja, Uneigennützigkeit hatte einen Namen: Dieter Fuhrmann.

Bereits zu Beginn dieses Jahres planten wir, ihm, dem Grand Old Man seines Berufsstandes, den Titel unseres Oktober-Magazins zu widmen. Ein großes Porträt zum 80. Geburtstag des Fruchtgroßhändlers, Titel: Typisch Fuhrmann. Dass daraus nun ein Nachruf werden musste, macht uns sehr traurig.

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