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Wochenmarkt im Dorf Lübars

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Lübars, weiß das Internet, ist ein Ortsteil des Bezirkes Reinickendorf, gelegen an der nördlichen Berliner-Stadtgrenze. Gegründet um 1230, heute über 5.000 Einwohner.
Viel Natur, eine noch erhaltene Dorfstruktur, eine denkmalgeschützte Dorfkirche, ein historisches Gasthaus, Reiterhöfe, Wanderwege, Landidylle. Das klingt nach stressfreiem Raum, aber auch nach ziemlich j.w.d.

 

Gar so j.w.d. wie es klingt, ist Lübars dann doch nicht. Die S-Bahn braucht vom Bahnhof Südkreuz nach Waidmannslust 35 Minuten, dann verkehrt der 222er Bus bis Alt-Lübars. Nochmal neun Minuten, und wir können Dorf gucken.

Wir lassen den Alten Krug links liegen, er ist zwar äußerlich durchaus eine Schönheit, die Speisekarte im Schaukasten allerdings bietet lediglich die ausflugsgastronomisch üblichen Sättigungs-Ikonen, und außerdem sind wir nicht zum Schnitzelessen nach Lübars gekommen.

Unser Ziel ist der Wochenmarkt auf dem Anger hinter dem alten Schulhaus, der einzige in Berlin übrigens, der sonntags abgehalten wird.
Gründer und Chef des Marktes ist Jürgen Mutzbauer. Der 63-Jährige ist gebürtiger Lübarser und auch heute noch hier zu Hause. Mutzbauer hat mal Fleischer gelernt, war viele Jahre als Gastronom im Berliner Norden unterwegs und hatte vor zwei Jahren die Idee für diesen Wochenmarkt. „Ideen kannst du viele haben“, sagt Mutzbauer „die Crux ist Ihre Umsetzung.“

Was er damit meint, lässt er offen, aber hinter vorgehaltener Hand sprechen einige Lübarser schon mal vom „Sonntagsrummel“. Das ist natürlich Nonsens angesichts der neun Marktstände und der vielleicht sechzig, siebzig Besucher an diesem Regensonntag. „Auch im Frühling und im Sommer, wenn sich die Zahl der Händler verdoppelt und die der Gäste verdreifacht, ist unser Dorfmarkt alles andere als eine rummelige Veranstaltung. Kommunikativ – ja, aber laut – nein“, so Mutzbauer.

Einige der Händler auf dem Lübarser Dorfmarkt sind erfahrenen Berliner Marktgängern bestens bekannt. Bernd Schulz zum Beispiel, ein 66-jähriger ehemaliger Landwirt aus dem Fläming-Örtchen Gömnigk, der sich selbst „Bernd, das Backschwein“ nennt, bietet seine Schweinereien für den kleinen Hunger zwischendurch auch in der Markthalle Neun an. Oder Michael Mödig. Die Flammkuchenbäckerei des Berliner Küchenchefs, dessen frühere Restaurants Merz am Schöneberger Ufer und P1 am Potsdamer Platz sogar im Gault&Millau vertreten waren, ist auch eine feste Größe auf dem Wochenmarkt am Charlottenburger Karl-August-Platz – ebenso wie die Stände der Saftexpertin Catharina Gronert und des Olivenölspezialisten Athanasios Boulis.

„Das ist aber ganz normal“, so Marktbetreiber Mutzbauer, „von einem Wochenmarkt allein kannst du nicht leben.“ Wer kommt denn noch nach Lübars? Mutzbauer zählt auf: „Feinkost-Lansk, Maultaschen-Bruno, die Le-Brot-Bäcker, dann Tibor, der Imker und Peter, der Holzwurm, ein bekannter Kunsttischler.“

„Schön wäre es, wenn noch mehr Produzenten hier Lebensmittel anbieten würden“, sagt Hanna Gutjahr, Lehrerin aus Pankow und an diesem Tag zufällig in Lübars unterwegs, „dann würde ich sogar regelmäßig kommen.“ Uns fallen der Gärtnerinnenhof Blumberg, die Borgsdorfer Ölmühle und der Kräuterhof gleich gegenüber ein, zumal bisher auf dem Lübarser Dorfmarkt noch nicht allzu viele das Banner der Regionalität gehisst haben. Einer der wenigen ist Patric Biederbeck, Schafzüchter und Betreiber eines Hofladens im nahen Blankenfelde. Er hat Obst und Gemüse mitgebracht, Eier, Säfte, Marmelade und eine sagenhaft feine Lammsalami. Mehr davon bitte!

 Lübarser Dorfmarkt, immer sonntags von 11 – 18 Uhr auf dem Anger neben der alten Dorfschule.

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