Home / Garcon / Lebensart / Filz mit Witz
Filz-mit-Witz

Filz mit Witz

SINRA CRAFTS & CREATIONS

Normalerweise werden aus Filz – das ist gereinigte, gekämmte, gewalkte, gepresste und gefärbte Wolle – Kleidungsstücke gefertigt. Ein Material, dem lange Zeit ein kräftiger Alte-Männer-Charme anhaftete: Filzhut, Filzmantel, Filzpantoffel und Filzstiefel – die Lifestyle-Steinzeit ließ grüßen. Das änderte sich schlagartig, als sich junge Kreative des wärmenden und feuchtigkeitsabweisenden Stoffes annahmen. Seitdem ist Filz im Trend – ob als modisches Outfit, Wohnaccessoire oder zeitgenössische Kunst.

Auch Akiko Nagano entdeckte vor zwei Jahren das Material für sich. Die in Tokio gebürtige Japanerin kam 1984 mit ihren Eltern nach Wien, besuchte dort die Grafische Lehranstalt und die Hochschule für Angewandte Kunst, Berufsziel: Comiczeichnerin. Doch wie das Leben so spielt, vor einem Jahr lernte sie den tschechischen Glasharfenkünstler Petr Spatina kennen, der in Berlin ein Engagement hatte. Sie folgte ihm und versucht nun hier, mit filzigen Miniaturen ihr Geld zu verdienen. Das dies schwer ist in einer Zeit ultimativer Pragmatik, in der alles und jedes erstmal einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen wird, hat Akiko Nagano schon gemerkt.

„Wozu iss´n das?“, fragt der eine – „Was macht mer´n damit?“, der andere – zwei Berliner Händler, denen die Japanerin ihre Kreationen angeboten hat. Mit ihrer Antwort können die beiden nicht viel anfangen: „Damit kann man den Menschen ein kleines Lächeln bescheren.“

Solche Sätze sind Teil der ursprünglichen Identität der 37jährigen, ebenso wie die Verbeugungen, mit denen sie ihre Bärchen, Blümchen, Brötchen und Törtchen präsentiert – die sprachlich nicht besonders schöne Verniedlichung ist hier tatsächlich treffend.

„Sinra“ nennt Akiko Nagano ihre kleinen Dinge aus Filz. „Sie sind meine Ode an das Leben“, sagt sie.

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.