Feines aus Österreich

Iris die Feine

Die Sonne scheint, Iris Holborn steht, ganz in rot, vor ihrem Charlottenburger Laden. Dunkelblonde Schüttelfrisur, braune Augen und ein Lächeln, das selbst den stumpfsinnigsten Zeitgenossen fröhlich macht. Eine Kärntnerin in Berlin. Im Februar 1988 kam Iris Holborn nach Berlin, der Liebe wegen. Die Hotel- und Gaststättenassistentin hatte gegen die erste Regel ihrer Branche verstoßen: Lasse Dich nie mit einem Gast ein. Der hieß Dieter, war Hörgeräteakustiker und kam aus Berlin.

Die junge Frau verließ das idyllische Maltatal und folgte ihm in die laute Stadt. Die Liebe hielt zwar, doch einen Job fand Iris Holborn in Berlin nicht. Sie half im Unternehmen ihres Mannes bis es nichts mehr zu helfen gab. „Jetzt schaffe ich mir einen Arbeitsplatz“, sagte sie sich dann und suchte nach einer Marktnische. Caféhaus wäre in Frage gekommen, Reisebüro möglicherweise auch, Skischule eher weniger. Doch die Sehnsucht führte ihre Gedanken, die Sehnsucht nach der Extrawurst. Und weil sie ohne die wurstige Kärntner Delikatesse eigentlich nicht leben kann,

beschloss Iris Holborn, sie nach Berlin zu holen. Mit der Vermutung, dass es anderen Österreichern – was die Sehnsucht betrifft – ebenso geht, lag sie auch richtig. Zu den Extrawürsten kamen Karreespeck, Käsekrainer und Landjäger. Es folgten Dragee-Keksi, Firn-Bonbons und Manner-Schnitten, Bio-Bergkäse, Meinl-Marmeladen und Meinl-Kaffee, Kürbiskernöl aus dem Vulkanland und Kürbisknabberkerne aus der Thermenregion, Estragonsenf, Fischerbrösel, Fleckerlnudeln und noch etliche Dutzend weiterer Spezialitäten. Das alles verkauft Iris Holborn nun seit zehn Jahren in ihrem Charlottenburger Mini-Laden, den sie – nomen est omen – Feines aus Österreich nannte.

Was so lecker klingt, scheint offenbar ein permanenter Kraftakt zu sein. „Es ist einfacher zum Mond zu fliegen, als Lebensmittel aus Österreich nach Berlin zu bringen“, klagt die Händlerin und zeigt auf einen Aktenberg, der gut zu einer Anwaltskanzlei passen würde, weniger in einen Feinkostladen.
„Butter-Lindner auf österreichisch“, so beschreibt Iris Holborn ihr Konzept am liebsten. Ein besonderes G´riss herrscht übrigens um den Mittagstisch. Iris Holborn bietet Burenwurst und Leberkäse, Gulasch vom Wadschinken, Oma´s Erdäpfelsalat und erklärt nimmermüde den Charlottenburger die österreichische Küchensprache. Irgendwann greift sie dann selbst zur Extrawurstsemmel und verschwindet in ihrer Küche. Letzter Kommentar: „Das passt schon.“

Feines aus Österreich

Leonhardtstraße 11
14057 Berlin-Charlottenburg
Tel. 030-31 01 68 20

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