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Berlin Ramen Festival

Eine Festivalnachlese mit Ausblick

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Wenn der berühmte japanische Kochbuchautor Shizuo Tsuji (1933- 1993) in seinem Standardwerk über die japanische Küche (Practical Japanese Cooking: Easy and Elegant, erschienen 1986 bei Kodansha International Ltd. Tokyo) schreibt, sie sei keineswegs ein Buch mit sieben Siegeln, so nehmen wir diese Formulierung als das, was sie wohl auch ist: ein Ausdruck japanischen Understatements. Auf jeden Fall ist sie für uns Mitteleuropäer ein weites Feld. Das beginnt bereits mit hierzulande unbekannten Küchenwerkzeugen, setzt sich fort mit ganz und gar fremden Produkten und dem komplexen Thema ihrer Qualität, mit ungewohnten Kochtechniken und einer pedantischen Perfektion bei ihrer Anwendung, mit raffinierten Geschmacksbildern und, und, und …

Kein Wunder, dass japanische Köche über die dreijährige deutsche Kochlehre nur milde lächeln. Ihr Credo heißt lebenslanges Lernen und lebenslange Spezialisierung. „Mach mir eine Sache, aber die richtig, gewinne die Meisterschaft in deiner Disziplin“, so beschreibt der deutsche Japan-Kenner und Kochbuchautor Stevan Paul den wichtigsten Leitsatz japanischer Kochkunst. Der gilt übrigens für komplizierte Zubereitungen ebenso wie für anscheinend kinderleichte, etwa die einer simplen Brühe nebst Nudeln und Topping namens Ramen, die längst auch außerhalb Japans total im Trend liegt, allemal in Berlin.

Das sahen auch der Unternehmer Robin Heisterhagen und der Eventmanager Karsten Kandziora, zwei gut vernetzte junge Männer mit vielen Ideen und der Lust auf neue Herausforderungen. Wie wäre es, fragten sich die beiden, wenn wir ein Ramenfestival auf die Beine stellten? Und wie das in ihrer Generation – Heisterhagen ist 31, Kandziora 36 – so üblich ist, diskutierten die beiden Freunde nicht zuerst die Risiken, sondern formulierten die Möglichkeiten.
Sie fanden Unterstützer, gründeten die Berlin Ramen Society, gingen auf Locationsuche und legten einen Termin fest: 1. Oktober 2023.

Doch ihm und seinem Partner ging es um mehr. „Wir wollten nicht nur ein Ereignis schaffen, das die Kunst des Ramen-Handwerks zelebriert“, erklärt Kandziora, „sondern auch die kulturelle Vielfalt vermitteln, die dieses Gericht repräsentiert.“ Das auch das gelang, daran hatten sicher die Japan-Kenner Bastian Schwithal (Go-Sake, www.go-sake.com), Bernd Lorenz (Tokyo Hands, www. tokyohands.de) und Daniel Tripoli (Japanese Street Food Katsu San) einen erheblichen Anteil.
Schwithal, der festivalerfahrene Geschäftsführer des Berliner Unternehmens GO-Sake will kein Lob. „Ich habe es selten erlebt“, sagt der 47-jährige promovierte Soziologe, „dass beim Andrang, den solche Veranstaltungen nun mal mit sich bringen, sich so viele Gäste so intensiv nach japanischem Essen und Trinken erkundigten, nachfragten, offensichtlich eben nicht nur für eine Schüssel Toukotsu- oder Yakiniku-Ramen und einen Becher Junmai Ginjo hierher gekommen sind.“

So sahen das auch die Küchenteams der Ramen-Restaurants, die ihre suppigen Kreationen auf dem Festivalgelände präsentierten – etwa das LIFE vom Maybachufer in Kreuzberg, das Daruma Ramen, das im neuen Manifesto Market am Potsdamer Platz zu Hause ist, das Stuttgarter EArth Tokyo oder das Cocolo Ramen, das im vorigen Jahr vom Paul-Lincke-Ufer in den Graefekiez umgezogen ist. „Kochen, servieren und immer wieder Erklärungen abgeben, das war schon eine Herausforderung“, so dessen Restaurantleiterin Haruka Kobayashi. „Dennoch, es hat riesig Spaß gemacht.“

„Ich lebe ja nun schon etliche Jahre in Berlin und habe erlebt, wie der Ramen-Boom hier entstand und inzwischen unglaubliche Höhen erreicht hat. Natürlich weiß ich auch um das Suchtpotenzial dieser Nudelsuppe, die für uns Japaner viel mehr als wir ein Mittag- oder Abendessen ist. Also, wenn es nach mir geht, mein Team und ich wären beim nächsten Berliner Ramen-Festival wieder dabei.“ Yosuke Sumida, Küchenchef Cocolo Ramen

„Der Zuspruch so vieler Festivalgäste hat uns ermutigt, unser Projekt fortzusetzen. Es wird also auch 2024 mindestens ein Ramen-Festival in Berlin geben. So wollen wir mit unseren Mitteln weiter an der kulinarisch-kulturellen Brücke von Deutschland nach Japan bauen. Und dafür haben wir natürlich auch schon viele neue Ideen, die unseren Grundgedanken ‚Kulinarik und Kultur‘ noch mehr nach vorne bringt.“ Karsten Kandziora, Festival-Veranstalter

Wir freuen uns jedenfalls schon sehr auf das Berlin Ramen Festival 2024!

www.berlinramenfestival.de

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