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Andreas Saul – Rutz-Weinbar

Es gibt Küchenchefs, die hätten Andreas Saul nie und nimmer eingestellt. Die Unterarme des knapp 30-Jährigen zieren riesige Tattoos, hinzu kommen auffällige Piercings und ein eigenwilliger Haarschnitt.

Marco Müller, seit acht Jahren erster Mann am Herd in der Weinbar Rutz, ließ sich von diesen Äußerlichkeiten nicht beeindrucken, er sah viel mehr das Talent des jungen Berliners aus Prenzlauer Berg. Saul startete 2004 als Commis und avancierte 2006 zum Souschef des mit einem Michelin-Stern und 17 Gault-Millau-Punkten geehrten Spitzenrestaurants.

Zum Kochen kam auch er mehr oder weniger zufällig. „Was Handwerkliches sollte es sein“, kommentiert Andreas Saul heute seine Lehrstellensuche, die damit endete, dass er zwei Zusagen auf seine Bewerbungen erhielt. Bäcker oder Koch hätte er werden können. „Teigaffe oder Suppenschmied“, hänselten seine Freunde. Ohne genau zu wissen, was ihn erwartet, entschied er sich für die Suppe.

Im Restaurant Dressler am Kurfürstendamm, später auch in dessen Dependance Unter den Linden lernte er die Grundlagen des Berufs. „Begriffen, was wirklich Sache ist, habe ich aber erst zwei Jahre später“, sagte er und fügte hinzu: „Die Leidenschaft fürs Kochen hat Marco Müller in mir geweckt.“

Damit meint er jenen Drang, den Gästen etwas Besonderes zu bieten. Er spricht vom kulinarischen Aha-Erlebnis, von erstklassigen Produkten und von der Verantwortung, sie nicht zu verpfuschen, sondern zu veredeln. Sätze, die sein Chef so ähnlich formuliert. Überhaupt Marco Müller. „Er war für mich nicht nur der beste Lehrer, sondern auch eine Art zweiter Papa“, sagt Saul.

Wenn dieser Bericht erscheint, steht Andreas Saul schon nicht mehr am Rutz-Herd. „Im August wird geheiratet, und dann mache ich möglicherweise was Eigenes.“ Marco Müller, sein Chef hat ihm zugeraten, aber Andy will noch nicht darüber reden. Stattdessen umschreibt er konjunktivisch: „Im Prenzlauer Berg könnte ich mir durchaus noch mehr gute Gastronomie vorstellen.“