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Vom Einfachen das Gute

„Bevor ein Produkt bei uns ins Regal oder in die Theke kommt, muss es zwei Filter durchlaufen, den Geschmacksfilter und den Ethikfilter“, so Manuela Rehn und Jörg Reuter, die Gründer des Lebensmittelladens „Vom Einfachen das Gute“. Im Juli 2013 eröffnet, bietet ihr Geschäft Lust am Genuss – aber eben nicht voller Kompromisse wie etwa das KaDeWe, sondern ganz konsequent und ganz wunderbar slowfoodig. Und ganz praktisch: Allein die Himbeermarmelade ist schon einen Besuch wert.

Um einen Laden wie diesen zu verstehen, ist es wahrscheinlich am besten, herrauszufinden, was es nicht gibt. Also: Es gibt weder Lutscher mit 24-karätigem Gold noch Mehlwürmer mit BBQ-Geschmack (haben wir beides vor einigen Wochen während eines Wien-Besuches tatsächlich bei Gourmet Cornelius, einem Delikatessengeschäft im 1. Bezirk, gesehen), und es gibt auch keine Stopfleberterrine und keine Thunfischcreme.
vomeinfachendasgute005 „Wir bieten nur Produkte an, die wir selbst gern kaufen würden“, sagt Manuela Rehn. Die 35-Jährige stammt aus dem sächsischen Pirna, studierte in Berlin und Amsterdam Internationales Marketing, arbeitete in Costa Rica, Panama und Indonesien und gründete schließlich gemeinsam mit Jörg Reuter die Firma „Grüneköpfe“, ein Unternehmen zur Strategieberatung für Marken- und Handelsunternehmen.

„Die Idee zu unserem Laden hatten wir vor über vier Jahren in der Schweiz während eines Beratungsprojektes. Wir entdeckten einen Laden mit ausschließlich Schweizer Produkten und begeisterten uns für dieses Swissnes-Konzept.“ Rehn und Reuter überlegten, ob man dieses Konzept auch in Deutschland etablieren könne, Germanness sozusagen. Nach einiger Zeit entdeckten sie die Probleme einer solchen Radikal-Regionalität, die auch in hochgejazzten Küchen nicht ohne kleine Schwindeleien funktioniert: Hier ein bisschen Cayenne, da ein bisschen Muskat, dort ein bisschen Vanille.

„Tatsache ist, dass der Begriff der Regionalität überstrapaziert wird“, so Manuela Rehn. Und Jörg Reuter: „ Je generischer ein Produkt, also je weniger verarbeitet, desto wichtiger seine geografische Nähe. Es erschließt sich einfach nicht, dass Äpfel beispielsweise aus Südtirol oder gar aus Übersee kommen müssen. Je komplexer es allerdings ist, je anspruchsvoller zum Beispiel von seiner Rezeptur, desto wichtiger wird das, was wir emotionale Nähe nennen.“
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Dementsprechend ist das Angebot in ihrem Laden: Neben Ahle Worscht aus Nordhessen hängen Würste aus Polen, neben Schokolade aus Litauen liegen die Berliner Wohlfarth-Schöpfungen, es gibt Fleisch vom Landwerthof in Vorpommern und Lomo Gallego de Sidería, ein außergewöhnliches Steak aus Spanien, Reis und Nudeln kommen aus Italien, ebenso das Schüttelbrot, eine Spezialität des Alto Aldige. Dazu Aceto Balsmico di Modena, Olivenöl aus Lesbos, Honig aus Brandenburg und – wie gesagt – die beste Himbeermarmelade der Welt. „63 Prozent Frucht und von unseren Freunden Christoph und Nadja vom Landgut Theisewitz in Kreischa bei Dresden gerührt“, erklärt Manuela Rehn.

Wer im Vom Einfachen das Gute auf Nummer sicher gehen will, kauft die mit einem Herz gekennzeichneten Waren. „Das sind unsere ganz persönlichen Lieblingsprodukte“, so Jörg Reuter. Man kann durchaus auch der Kompetenz der Damen und Herren hinter der Ladentheke vertrauen. Wer ihnen zuhört, merkt schnell, dass hier keine „Verkäufer“ am Werk sind, sondern eher „Erklärer“ oder „Aufklärer“. Und dann geht es schon mal ab in die weite Welt der Rohstoff- und Rezepturexzellenz. „Bei dem was wir machen, geht es zuerst um Seele“, sagt Manuela Rehn. Und das macht wohl den Unterschied zu vielen ihrer weit größeren Wettbewerber aus. Dort geht es zuerst um Kohle.

Vom Einfachen Das Gute

Invalidenstraße 155
10115 Berlin-Mitte
Tel. 030 – 28 86 48 49
www.VomEinfachenDasGute.de

About Redaktion

Die Autorin ist seit 10 Jahren im Auftrag für gutes Essen und Trinken unterwegs.

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