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Keine Stadt…eine Feilenmuschel

Das italienische Restaurant Lima Lima

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Es kamen schon Leute ins LimaLima, die nach Anticuchos de corazón oder Suspiros de Limeña fragten und bitter enttäuscht waren, dass hier weder Kalbsherzspieße noch Milchkaramellcreme und auch keine anderen Klassiker der peruanischen Küche serviert werden. Aber mal ehrlich, hätten Sie geahnt, dass LimaLima nichts mit der südamerikanischen Hauptstadt zu tun hat, sondern dass es sich dabei um eine sogenannte Feilenmuschel handelt?
Sie lebt im Atlantischen und Indischen Ozean, im Roten und im Mittelmeer, meist unter Steinen oder Korallen und wurde 1758 von Carl von Linné entdeckt und beschrieben.
Als der Koch Rosario De Paola beim Tauchen im Golf von Neapel ein Exemplar der aussergewöhnlichen Muschelart fand, war er dermaßen begeistert, dass er sein erstes Restaurant im sardischen Cagliari nach ihr benannte. Jahre später kam De Paola mit seiner Partnerin Daniela Schaube nach Berlin, im Gepäck auch die Muschel. Die beiden Gastronomen eröffneten im Charlottenburger Schillerkiez ein Restaurant – klar, dass der Name auf der Hand lag.

Ja, es gibt sie mittlerweile in Berlin, diese Zwischenorte, wo man sich auf ein Glas Wein und ein paar Vorspeisenkleinigkeiten treffen und auf wunderbare Art die Zeit bis zum Abendessen dahinziehen lassen kann.
In Charlottenburg geschieht das immer öfter im LimaLima. Direkt an der Kreuzung Schlüterstraße/Goethestraße haben Daniela Schaube und Rosario de Paola einen feinen Allzeit-Treffpunkt etabliert, einen wirklich heißen Tipp für Menschen, die dem Leben gerne ein paar Besonderheiten abringen wollen.
Die drei stärksten Faktoren an diesem winzigen, gemütlichen Lokal mit dem muscheligen Namen: das mediterran luzide Ambiente des Raumes, seine bis zur Decke reichenden maritimen Dekorationen (einschließlich eines originalen Exemplares der namensgebenden Feilenmuschel) und die von urbanen Strömen dieser Gegend umflossene Terrasse. Und natürlich Daniela und Maestro Rosario.

Sie, eine ruhige, sympathische Frau, die schon ein bisschen rumgekommen ist in der Welt, managt den Service im LimaLima und ist zuständig für die Auswahl der Weine. Die 55-Jährige stammt aus Altenkunstadt, einem 5.400-Einwohner-Ort in der oberfränkischen Provinz. Nach dem Abitur besuchte sie ihren Vater, einen Bundeswehroffizier, der auf Sardinien stationiert war – und blieb. Sie lernte italienisch und studierte an der Universität von Cagliari Sprachen und Literatur. Auf der Suche nach einem Nebenjob landete sie in einem Restaurant namens LimaLima, lernte den jungen Küchenchef kennen und – wie das Leben so spielt – aus der schönen Fränkin und dem feschen Neapolitaner wurde ein Paar. Einige Jahre führten Daniela Schaube und Rosario de Paola – sie hatte inzwischen auch ein Ausbildung im Hotelfach absolviert – das Lokal in der sardischen Hauptstadt Cagliari gemeinsam. 2015
schließlich die Übersiedlung nach Berlin und die Eröffnung des LimaLima hier.

Neapel ist schön und hässlich, romantisch und chaotisch, freundlich und aggressiv. Neapel fasziniert und Neapel schreckt ab. Nach Neapel? Dio mio! – warnen die Einen. Die Anderen empfehlen euphorisch eine Fahrt mit der Circumvesuviana, einer Bahn, die den Vesuv umrundet oder einen Spaziergang durch die malerischen Altstadtgassen. In einem sind sich die 960.000 Einwohner der kampanischen Hauptstadt allerdings einig: Die neapolitanische Küche ist die beste in ganz Italien, wenn nicht sogar in der Welt.

Rosario De Paola hält sich mit solcherart Hymnen zurück, er serviert lieber seine Klassiker und überlässt den Gästen das Urteil. Da sind zum Beispiel Polpo alla Luciana, in Weißwein gedünsteter Oktopus mit Tomatensauce, gehackten Oliven und Kapern, benannt nach dem Stadtteil Santa Lucia in Neapel; Salsiccia alla Napoletana, eine würzige Bratwurst, die traditionell mit Friarielli, einer besonderen Art Stängelkohl serviert wird oder eben Ravioli con asparagi, mit grünem Spargel gefüllte Teigtaschen – kräftig, schlicht, geschmacklich harmonisch.

Außer den vegetarischen Grünspargel-Ravioli offeriert De Paola weitere Veggi-Gerichte: Ravioli mit Steinpilzfüllung in Knoblauch-Basilikum-Butter, Ravioli mit Auberginen-Ziegenkäse-Füllung in Tomatensauce, Gnocchi all Sorrentina, Gnocchi all ´Amalfitana und – natürlich – Parmigiana di Melanzane, den berühmten Auberginenauflauf, um dessen Urheberschaft man sich in Italiens Süden immer mal wieder heftig streitet. Für jeden echten Neapolitaner ist die Herkunft des Gerichts natürlich sonnenklar: Sowas kann nur die Cucina Napolitana. Und basta! Gleiches gilt für die Pasta-Gerichte – etwa für Maltagliati al Ragù Napoletano oder für Paccheria alla Genovese. In beiden Fällen bringt De Paola die Teigwarenspezialitäten mit (unterschiedlich zubereiteten) würzigen Fleischsaucen auf die Teller, und die ohnehin äußerst italominded Berliner jubeln: Buono! Buonissimo! Auch wir sagen bravo – was der Küchenchef da macht, hat Stil und jede Menge Traditionsfeeling und ist Versprechen und Erfüllung zugleich. Erfüllung jetzt, Vorfreude auf das, was noch kommt – etwa Spaghetti alla Marinada mit Sardellen, Kirschtomaten, Kapern und Oliven.

Das Gros der Weine, die Daniela Schaube mit viel Sachverstand empfiehlt, stammt direkt von italienischen Produzenten: Apulien, Friaul, Sardinien, Sizilien, Toskana, Umbrien, Venetien. Und Kampanien? „Obwohl die Region auf eine lange Weinbautradition zurückblicken kann“, sagt sie, „fehlt vielen Winzern noch der Sinn für den qualitätsorientierten Weinbau.“ Dennoch — einige Gewächse hat sie gefunden, die ihren Ansprüchen genügen. „Der rote Irpina Aglianico und der weiße Greco di Tufo von den Mastroberardinos kommen bei den Berlinern gut an“, so Daniela Schaube. Einen Treffer hat die Gastronomin auch mit dem fränkischen Leikeim-Bier gelandet. „Irgendwas muss im LimaLima ja auch aus meiner Heimat kommen“, kommentiert sie die Offerte.

LIMA LIMA
Schlüterstraße 74
10625 Berlin-Charlottenburg
www.lima-lima.de

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