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Kremmen und das Scheunenviertel

Ein Dorf in der Stadt

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Zu Gast in Kremmen

Natürlich kennt Andrea Busse den Gelehrten Johann Grüwel (1638-1710). Der war einst in Kremmen Bürgermeister und erregte mit Abhandlungen über Imkerei und Seidenraupenzucht Aufsehen. Sie bedauert, dass Grüwel heute in Kremmen fast vergessen ist und hat einige Ideen, das zu ändern. Sie leitet die Touristeninformation im Scheunenviertel und scheint nicht nur wegen ihres historischen Wissens für diesen Job prädestiniert zu sein, sondern auch wegen ihres familiären Backgrounds. Die Busses sind nachweislich seit 1402 in Kremmen ansässig.

Einzigartiges Scheunenviertel

Die 48-jährige Handelsfachwirtin organisiert Stadtführungen sowie Natur- und Kulturwanderungen und weiß auch dann touristischen Rat, wenn die gedruckten Reiseführer passen. Besonders am Herzen liegt Andrea Busse das historische Scheunenviertel am südlichen Stadtrand von Kremmen, „das in seiner Größe und Bauweise wohl einzigartig in Deutschland, vielleicht sogar in Europa ist“, wie sie sagt. „Und dessen Geschichte lange zurückreicht.“

Draußen vor der Stadt

Nach verheerenden Bränden im 16. Jahrhundert, die ihren Ausgangspunkt zumeist in den mitten in der Stadt gebauten strohgedeckten Scheunen hatten – Kremmen war eben eine Ackerbürgerstadt – verfügte 1672 Kurfürst Friedrich Wilhelm, der nach dem Sieg seiner Truppen über die Schweden 1675 bei Fehrbellin der Große Kurfürst genannt wurde, „die Scheunen hinaus fürs Thor zu schaffen“. Die Kremmener folgten dem Befehl, das Scheunenviertel entstand.

Kunst, Gewerbe, Kulinarik

Andrea Busse kennt die wechselvolle Geschichte aus dem Effeff und ist natürlich stolz darauf, dass 54 Scheunen nach der Wende saniert wurden, dass sich hier Handwerker, Künstler und Gastronomen ansiedelten, auch „wenn man noch mehr aus diesem Kremmener Schatz machen könnte.“

Mann der ersten Stunde

Zu den Scheunenviertlern der (fast) ersten Stunde gehört Norbert Stolley, 69 und – wie er in einem autobiografischen Büchlein schreibt– „ein leidenschaftlicher, sturer, friesischer Koch“. Und das seit 55 Jahren! Geboren in Brunsbüttel, Kochlehre im Kölner Weinhaus Hugo Wolf in der Komödienstraße, zehn Jahre Seefahrt. Dann, wieder an Land – selbständig in der kältesten Ecke Wilhelmshavens – in Coldehörn. Später Stationen in Hannover, Berlin und Eichstädt, seit 2007 dann Kremmen.

Schnörkelloses Angebot

Zur Erinnerung an die Anfänge nannte Stolley seine Feinkost- und Probierscheune auch hier Coldehörn. Seine kulinarische Offerte ist klein, aber fein. „Ich liebe das Einfache“, sagt er, „allerdings muss es toll zubereitet sein, frisch, schnörkellos, regional.“

Genuss für unterwegs – GARCON als APP

Restaurant Coldehörn
Scheunenweg 30
16766 Kremmen
www.coldehoern.de

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