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Stefania Kercso’s Weg zur Fachverkäuferin

Stefania Kercso, Auszubildende bei Beumer&Lutum

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Ich wollte schon immer einen Beruf erlernen, bei dem ich mit Menschen zu tun habe, am liebsten Verkäuferin, und ich bin stolz darauf, dass es geklappt hat. Geholfen haben mir vor allem die Lehrer der August-Sander-Schule in Friedrichshain, weil sie mir Mut gemacht und immer wieder gesagt haben, dass ich durchaus die Chance hätte, eine Lehrstelle zu bekommen, trotz meiner nicht gerade berauschenden Abschlussnoten. Dies hier ist Stefania Kercso Weg zur Fachverkäuferin.
Stefania Kercso, Auszubildende

Eine ungewöhnlich starke Geschichte

Stefania Kercso ist erst 16, hat aber schon mehr erlebt – oder sollte ich besser „durchgemacht“ formulieren? – als die meisten Gleichaltrigen. Vielleicht wirkt sie auch gerade deshalb reifer, erwachsener.

Stefania Kercso wuchs in Piteşti auf, einer rumänischen Industriestadt in der Großen Walachei, rund 120 Kilometer westlich von Bukarest. Als sie zur Schule kam, zog ihre Mutter nach Berlin, um hier als Putzfrau zu arbeiten. „In Piteşti konnte sie keinen Job finden“, erzählt Stefania Kercso, „so gab es wenigstens ein bisschen finanzielle Unterstützung.“. Sie wuchs bei ihrer Schwester auf und folgte 2017 der Mutter nach Berlin. „Sie hat es sich gewünscht.“

Die unbekannte große Stadt, die fehlenden Freunde, die fremde Sprache – „als ich ankam, konnte ich kein Wort Deutsch, kein einziges“ – schwer vorstellbar, wie eine 11-Jährige das verkraftet. Sie besuchte eine Willkommensklasse, lernte Deutsch und erwarb schließlich die Berufsbildungsreife.

Stefania Kercso bei der Arbeit

Angekommen bei Beumer&Lutum

Die 2019 eröffnete Filiale im Kreuzberger Metropolenhaus gegenüber dem Jüdischen Museum ist die jüngste der fünf Verkaufsstellen des Berliner Bio-Bäckers Beumer&Lutum und seit nunmehr fast vier Monaten der Arbeitsplatz von Stefania Kercso. „Die erste Woche war echt stressig“, erinnert sich die 16-Jährige, „vor allem das frühe Aufstehen spätestens um 5.00 Uhr ist mir schwer gefallen.“

„Trotzdem war sie immer pünktlich“, lächelt Hans Nübel. Der 60-Jährige ist der Filialleiter und ein alter Bekannter. Nübel, gelernter Gastronom, war früher mal Chef des Gugelhofs am Kollwitzplatz und hat schon Dutzende junger Leute auf dem Weg ins Berufsleben begleitet. „Stefania hat die Basics schnell kapiert, weiß inzwischen, was beispielsweise Franz-, Rosinen-, Schweizer- und Splitterbrötchen sind, welche Gemeinsamkeiten sie haben und worin sie sich unterscheiden, sie kennt das Brotsortiment und kann unsere neun verschiedenen Blechkuchen ganz gut erklären.“

 

Stefania Kercso weiß was als Fachverkäuferin wichtig ist

Was dem berufs- und lebenserfahrenen Filialleiter am meisten gefällt – Stefania Kercso sieht, wo Arbeit ist. „Man muss sie nicht mit der Nase drauf stoßen“, so Nübel.

Mit der Ausbilderin Angela Arold ist er sich einig, dass der Fachverkäufer-Beruf mehr Aufmerksamkeit braucht. „Kunden abfertigen war schon früher schlecht, heute ist es fatal“, sagt er und fügt hinzu: „Man kann es drehen und wenden, wie man will, er hat einen größeren Anteil am Erfolg des Betriebes, als wir bisher geglaubt haben.“

 

 

Beumer&Lutum

Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 9
10969 Berlin-Kreuzberg
Tel. 030 – 25 80 08 72
www.beumer-lutum.de

 

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